Teil eines Werkes 
1. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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„Schatz, wie ſiehſt du aus?“ fragte er erſchreckt.„Du biſt wol ſehr krank, meine Annerl?“ fuhr er mit dem Tone innigen Mitleids fort. Die Kaiſerin drückte ihm die Hand und ſagte leiſe:„Es geht wol noch!“

Die Diener rückten einen Seſſel für Mathias dicht ans Bett. Er ließ ſich darauf nieder. Der Arzt, der alte ge⸗ lehrte Doctor Gisbertus, ſtand am Hauptende des Lagers und traf einige Anordnungen.

„Was ſagt Ihr denn zu der Kranken, Gisbertus“, fragte der Kaiſer mit einem unruhigen Blick auf dieſen.

„Ruhe wird Ihrer kaiſerlichen Majeſtät beſte Arznei ſein!“ erwiderte der alte Mann und verbeugte ſich ehrfurchtsvoll.

„Auter⸗ ſagte die Kaiſerin leiſe, halb ſeufzend.

„Darf ich denn hier bleiben?“ fragte Mathias.

„O ja, o ja“, fiel die Kranke mit etwas erhöhter Stimme und ſichtlicher Lebhaftigkeit des Wunſches ein, be⸗ vor der Arzt ſich äußerte.

„Wenn Ew. kaiſerliche Majeſtät darinnen eine Beruhi⸗ gung in Dero Gemüth fühlen, ſo hätte ich als Arzt nichts Präferableres zu ordiniren“, lautete die ehrfurchtsvolle, aber beſtimmte Antwort.

„Ich wäre nunmehr gern allein mit Sr. Majeſtät“, ſagte die Kaiſerin.

„Bitte demnach unterthänigſt“, erwiderte der Arzt,„daß Ihro Majeſtät den Kühlungstrank einſtündlich nehmen und ſich vor jeglicher Beunruhigung des Gemüths ſorgfältigſt hüten möchten. Um die Mittagsſtunde werde ich mir ge⸗ ſtatten, wieder nachzuſchauen!“

Mit dieſen in pedantiſcher, aber tief ehrerbietiger Hal⸗ tung geſprochenen Worten entfernte ſich Gisbertus, und auch die übrigen Umgebungen der Kranken verließen das Gemach

und blieben im Vorzimmer. 11*