1
24
„Nein, nein, im Gegentheil! Der Fabricius konnte noch lange nicht Alles wiſſen; nach ſeiner Flucht iſt es erſt recht angegangen! Wir müſſen Alles leſen.— Balthaſar! Schicke den Franz ſogleich zum Kanzleiſecretarius hinauf; er ſolle nochmals zu dem Cardinal Cleſel und allen Räthen ſenden, ſie aufs eiligſte antreiben. Auch zum Erzherzog Ferdinand!“ rief er dem forteilenden Balthaſar noch nach.— „Ja, ja, es iſt ſo! Und noch viel ſchlimmer als, wir dach⸗ ten!— Du, Balthaſar“, rief er dem wieder Eintretenden zu,„hilf mich gleich ankleiden. Ich will auf der Stelle ſelbſt in die Kanzlei hinauf. Das muß Alles genau ge⸗ leſen werden!“
Der Kaiſer war im höchſten Grade unruhig. Nach dem Berichte des Geheimſchreibers Fabricius war ihm die Be⸗ gebenheit noch nicht mit ſolcher Lebendigkeit und Sicherheit vor die Seele getreten; er hatte, wie es bei großen Ereig⸗ niſſen zu ſein pflegt, noch nicht ſo ſchnell das rechte Gefühl für die wirkliche Vollendung derſelben gewonnen, Jetzt über⸗ zeugten ihn die übereinſtimmenden Berichte von allyn Seiten her, daß Alles Wahrheit und die Erſchütterung viel umfaſ⸗ ſender ſei, als ſie ſich anfangs dargeſtellt hatte.
Der Kämmerer flog ihm mit den Kleidungsſtücken ſo eilig als möglich zu Hülfe, allein der Kaiſer hinderte ihn ſelbſt,
indem er immer wieder die Depeſchen nahm, hineinblickte 4
und ſie überflog. Mit Mühe konnte Balthaſar das An⸗ kleiden bewerkſtelligen. Der Kaiſer rief ſeiner Gemahlin bei jeder neuen wichtigen Meldung, die er fand, den Inhalt derſelben zu.—„Der alte Caplicz von Sulewicz, der Oberlandſchreiber iſt auch unter den Rebellen! Der alte
Mann begeht noch ſolche Thorheit!— Auch der Wenzel
Budowa von Budowecz! Habe ich ihn darum zum Director des Gerichtshofes ernannt, daß er Recht und Gerechtigkeit


