Teil eines Werkes 
1. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

Ich kann's nun einmal nicht laſſen, Anna, antwortete er,ich glaube an manche Dinge, an die ich nicht glauben ſollte, das heißt, ich glaube grad' nicht daran, aber ich kann's mir doch nicht ſo ganz aus dem Sinn ſchlagen.

Und was meinſt du? fragte die Kaiſerin.

Sieh, begann er, ſtockte aber ſogleich wieder und ſchien in Verlegenheit, wie er das ausdrücken ſollte, was ihm auf dem Herzen lag;ich bin, du weißt's ja, mit dem Rudolf, mit meinem Bruder, nicht gut geſtellt geweſen. Er war ein Träumer, er hätte das Land, er hätte unſer ganzes Haus zu Grunde gerichtet; ich mußte wol eingreifen. Aber Man⸗ ches iſt doch geſchehen, was beſſer nicht geſchehen wäre! Ich glaube nicht, daß er mich in ſeinem Herzen geſegnet hat auf dem Todesbette!

Schlag' dir das aus dem Sinn, Mathias, entgegnete die Kaiſerin;du haſt ſo viele Meſſen für ihn leſen laſſen und ihr waret ja auch gut zuſammen in den letzten Jahren!

Hm! Es ſchien mehr ſo! Ich hatte ja Alles was ich wollte! Aber jetzt... ſieh, der Aufruhr in Prag iſt am 23. Mai ausgebrochen!

Nun ja!

Und haſt du vergeſſen, was das für ein Tag iſt? fragte er.Gedenkſt du nicht, daß ich vor ſieben Jahren grad' am 23. Mai zu Prag gekrönt wurde?*)

Die Kaiſerin ſchwieg betroffen.

Ich weiß, was mein Bruder an dem Tage gedacht und gethan hat, fuhr der Kaiſer düſter fort,er hat

Ihr waret ja verſöhnt und einig, fiel die Kaiſerin begütigend ein,ihr beſchenktet euch gegenſeitig!

*) Hiſtoriſch.