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die andern Herren Statthalter befanden ſich nicht in der Sitzung..... ſie waren theils krank, theils verreiſt“, be⸗ richtete Fabricius.„Ob man ſie nachträglich ermordet hat, iſt mir unbekannt, auch von den Herren Sternberg und Lobkowitz weiß ich nichts. Sie wurden vor unſern Augen aus dem Saale geriſſen; vielleicht ſind ſie draußen unter den Dolchen der Mörder gefallen“, ſetzte er argliſtig hinzu.
„Und wie wurdet Ihr Drei gerettet?“ fragte der ſtau⸗ nende Kaiſer.
„Wir fielen auf einen Holunderbuſch, der hart unter der Mauer in den Schloßgraben hineingewachſen iſt. Das Gezweig und ein dort aufgeſchütteter Haufen von Kehricht und Dünger milderte den Sturz.“
„Und wo ſind Slawata und Martiniz?“
„Das vermag ich Ew. kaiſerlichen Majeſtät nicht zu ſagen“, lautete Fabricius' Antwort.„Die Flucht trieb uns auseinander, denn die Empörer ſchoſſen aus dem Fenſter nach uns. Mir gingen zwei Kugeln durch den Mantel. Es gelang mir ſpäter durch Hülfe treuer Bürger aus der Stadt zu entkommen. Aber auch ſchon das Landvolk war aufgehetzt von dem Grafen Thurn und ſeinen Bundes⸗ genoſſen. Ich mußte unter vielfachen Gefahren und Be⸗ ſchwerden flüchten, verkappt, auf einſamen Pfaden. Am zweiten Tage, da ich ſchon ganz erſchöpft war, traf ich zum Glück auf der Landſtraße einen Edelmann, den ich kannte und der unſerm Glauben treu anhängt, Wenzel von Niemeck. Der gab mir ſein Pferd und hieß mich zu einem Freunde reiten, der mir mit einem Wagen weiter half. So immer von Einem zum Andern empfohlen, bin ich heute am ſechsten Tage, Nachts, hier angelangt!“
„Mein Beichtvater, der ehrwürdige Pater Lamor⸗ 1**


