7
herzog Ferdinand die Rede begonnen:„Vergeben Ew. kai⸗ ſerliche Majeſtät, daß ich es wage, zu ſo früher Stunde Gehör zu erbitten; allein dieſer Mann bringt uns Kunde von den wichtigſten, von ganz unerhörten Dingen, die ohne Aufſchub zu Ew. Majeſtät Kenntniß kommen mußten!“
„Was gibt's denn halt ſchon wieder? Kann denn nie⸗ mals Ruhe und Friede im Lande ſein?“ fragte der Kaiſer.
„Jetzt iſt der Friede auf eine wahrhaft unerhörte Weiſe gebrochen!“ rief der Erzherzog aus.„Dieſer Mann hier iſt der Geheimſchreiber der Statthalterſchaft Ew. Majeſtät in Prag. Prag iſt im offenen Aufruhr!“
„Was?“ rief der Kaiſer dazwiſchen, und ein funkelnder Blick ſeines Auges ließ den alten Löwen in ihm erkennen. „Was? Im Aufruhr? Dahin hat das Hetzen und Zerren, womit ſie mich ſchon ſeit Jahr und Tag quälen, geführt? So ſollen ſie erfahren... aber berichtet“, unterbrach er
ſich ſelbſt,„was iſt geſchehen!“
„Der alte Feind des Glaubens, der Ordnung und des Gehorſams, der verwegene hartnäckige Mathias Thurn, der gewandte Zungenheld, hat das Unheil angeſtiftet“, be⸗ richtete der Erzherzog.„Als Ew. Majeſtät Antwort auf die übermüthige Beſchwerde und Supplik der Herren Glau⸗ bensdefenſoren, wie ſie ſich nennen, und der aufhetzenden Ständemitglieder in Prag eintraf, die die Unruheſtifter in ihre Schranken zurückweiſt und bedroht, hat er, ſchon längſt auf Gewaltthätigkeiten vorbereitet, halb Böhmen in Waffen gerufen. In Prag ſind die Stände und eine Maſſe Volks aus allen Kreiſen ſchon verſammelt geweſen. Am 23. Mai hat Thurn das Signal zum offenen Aufſtand gegeben.“
„Am 23. Mai“, rief der Kaiſer haſtig dazwiſchen, und eine ſeltſame Bewegung war in ſeinen Zügen erkennbar.
„Die evangeliſchen Stände“, fuhr der Erzherzog fort,


