Teil eines Werkes 
1. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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nicht ungeſtört eſſen, noch trinken, noch ſchlafen, noch verdauen! Beim Himmel, ich hab's ſatt das kaiſerliche Amt und möchte einen Caſtellandienſt auf einem Jagdſchloſſe im tiefen Walde lieber haben!

Balthaſar trat wieder ein in großer Aufregung.

Ew. Majeſtät muß ich melden, daß im Vorgemach Se. kaiſerliche Hoheit der Erzh erzog Ferdinand ſich befinden, noch von einem andern Herrn, den ich nicht kenne, begleitet. Sie bringen ſehr wichtige Zeitung, und der Herr Erzherzog läßt aufs dringendſte bitten, vorgelaſſen zu werden!

Ihm wird's wol gar eilig ſein! rief Mathias un⸗ muthig;für mich wird's aber wol Zeit haben. Ich werde doch wenigſtens erſt aus dem Bette aufſteigen dürfen und

mir den Schlafrock umthun. Die Herren Brauſeköpfe brin⸗

gen nur keinen Augenblick Geduld mit!

Der Kaiſer ſtand auf und ließ ſich von Balthaſar die nächſten Dienſte dabei leiſten. Nach einigen Minuten war er bereit, die frühen Störer zu empfangen. Er ließ die Vorhänge aufziehen und nahm ſeinen Platz auf einem Seſſel in der Nähe des Fenſters.Oeffne das Fenſter am Eck, befahl er dem Kämmerer,daß Gottes ſchöne Mailuft und Morgenſonne ins Zimmer dringt. Jetzt bin ich bereit, den Herrn Erzherzog zu empfangen. Es ſoll mich doch wundern, was er Neues bringt, das mir mit dem Lerchengeſang zugleich ſchon vorgepfiffen werden muß!

Die Flügelthüren des Gemachs öffneten ſich und der Erzherzog Ferdinand von Gratz trat ein; ihm folgte auf ſeinen Wink ein bleich und verſtört ausſehender Mann in abgetragener Kleidung. Es war der Geheimſchreiber Fabricius.

Der Kaiſer blickte die ſeltſame Erſcheinung verwundert an. Doch bevor er ein Wort ſagte hatte ſchon der Erz⸗

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