Teil eines Werkes 
1. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Augenblicken wieder.Sobald ſie erwacht iſt, ſoll man ihr ſagen, daß ich ſie zu ſehen wünſche. Sie allein nimmt wahren Antheil an mir, ſetzte er, halb vor ſich hin⸗ ſprechend, hinzu.

Balthaſar zerdrückte eine Thräne im Auge; es war eine des Schmerzes und des Unmuths zugleich. Der Kaiſer, den er ſo lebenskräftig, ſo rüſtig gekannt, jammerte ihn in ſeinen Leiden, in ſeiner Hinfälligkeit; doch das undankbare Mistrauen ſeiner Geſinnung kränkte den redlichen Diener tief. Er blieb ſchweigend in gebeugter Stellung an dem Lager ſtehen, hielt den grünſeidenen Schlafrock des Kaiſers über dem Arme und wartete auf den Befehl, ihm beim Aufſtehen behülflich zu ſein. Mathias ſaß ein wenig auf⸗ gerichtet im Bette und hatte den Kopf auf die rechte Hand geſtützt. In dieſem Augenblicke tiefen Schweigens ließen ſich Stimmen im Vorgemach hören. Es wurde lebhaft geſprochen.

Was gibt's denn halt ſo in der Früh, fragte der Kaiſer erſtaunt und richtete ſich empor.Schau zu, was es iſt, Balthaſar!

Der Kämmerer legte den Schlafrock über die Lehne des Seſſels vorm Bett und ging ins Vorzimmer, wo er den zweiten Kämmerer zurückgelaſſen hatte.

Gewiß wieder eine unnütze Plackerei, ein Geſchäft, das Zeit hat! Aber ſie können mich nicht früh genug ſtören, murmelte Mathias verdrießlich vor ſich hin.Es reicht nicht aus, daß man den ganzen Tag bis zur ſinkenden Sonne geplagt iſt und jede Minute ihren Aerger und ihre Sorge bringt! Jetzt müſſen ſie auch noch faſt mitten in der Nacht damit kommen. Jeder Bauer im Lande, jeder Gaſſenkehrer in Wien kann ruhig ſchlafen! Dem Kaiſer wird nicht Ruhe gelaſſen weder Tag noch Nacht; er kann