Die Verſammlung brach in heftigen Zorn aus:„Un⸗ erhört!“„Ja, ſo iſt's geſchehen!“„Das dürfen wir nicht länger dulden!“ ſchallten die Stimmen durcheinander.
„Blieb uns nun noch etwas Anderes übrig als die Hülfe eigener Macht?“ fuhr Thurn, die Stimmung der Verſammelten nutzend, fort.„Ich fordere nicht meine Glaubensgenoſſen, ich fordere unſere katholiſchen Brüder in dieſer Verſammlung auf, ſie ſollen entſcheiden! Wir lieben ſie, ſie ſind ehrenwerth, wir achten ihren Glauben und wollen Keinem in ſeinem Gewiſſen zu nahe treten, nie⸗ mals gegen ſie den Zwang üben, den ihre Prieſter gegen uns geübt.“ Ein lautes Jauchzen der Zuhörer überdeckte hier die Worte des Redners; es dauerte lange, bevor er weiter ſprechen konnte.
„Nun denn, alſo ſie, unſere Gegner, fordere ich auf zu unſern Richtern! Sie ſollen auftreten und entſcheiden, ob man gerecht oder ungerecht mit uns verfahren iſt!“
Da erhob ſich ein Mann würdigen Anſehens; es war Dionyſius Czernin von Chrudenitz, Schloßhaupt⸗ mann von Prag.„Ihr wißt, Brüder, ich gehöre der katholiſchen Kirche an; allein mein Gewiſſen zwingt mich das zu bezeugen, man hat euch ſchweres Unrecht gethan!“
Kaum war dieſes Wort als ein Zeugniß des Gegners geſprochen, als ein unbeſchreiblicher Jubel ſich in der gan⸗ zen Verſammlung erhob. Die Mitglieder ſprangen auf von ihren Sitzen, umarmten einander wie Brüder und ſchwuren ſich die herzlichſte, innigſt brüderliche Genoſſen⸗ ſchaft. Es dauerte lange, bevor der Vorleſer des Acten⸗ ſtücks wiederum darin fortfahren konnte. Indeſſen hatte ſich der aufgährende Zorn allgemach ausgeſtürmt und die nachfolgenden Verhandlungen wurden ruhiger geführt.


