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Wort.„Darum iſt das Verfahren zu Braunau und Kloſtergrab, wo ſie unſere Kirchen geſperrt und nieder⸗ geriſſen haben, ein offenbarer Rechtsbruch! Darum find wir mit unſern Beſchwerden im vollſten Recht!“
„Und doch haben ſie die Männer von Kloſtergrab, die Beſchwerde führten, in die Kerker geworfen“, rief Dwor⸗ ſchetzki mit Unwillen.„Erſt der vorgeſtrige Tag hat ihnen das Gefängniß geöffnet!“
„ Ja, ich habe ſie ſogleich in Freiheit ſetzen laſſen“, beſtätigte Thurn.
Ein lauter Jubel erſcholl bei dieſer Kundgebung.
„Wir müſſen wol ſelbſt handeln“, nahm Thurn das Wort wieder,„denn auf unſere Beſchwerde über dieſe Ge⸗ waltthat und Hülfsgeſuch bei Sr. kaiſerlichen Majeſtät wurde uns ja die ſchnöde, abſchlägliche Antwort ertheilt!“
„Die Slawata geſchmiedet hat“, fiel Olbramowitz ein.
„So wird der Kaiſer irre geleitet und betrogen!“ ſetzte Thurn hinzu.
„Jetzt muß er uns Recht geben, denn wir haben nur Gerechtigkeit geübt!“ eiferte Tobias Steffeck, ein Ab. geordneter der Bürger.
„Er muß“, ſprach der Greis Caplicz feierlich,„denn ihm liegt ob, Recht zu ſprechen auf Erden im Namen des höchſten Gottes! Und er wird!“ fuhr er milde fort, „denn er iſt der Vater ſeiner Völker und unſer erwählter König, der unſer Vertrauen zu ihm nicht täuſchen kann!“
„Wenn er nicht ſelbſt getäuſcht wird“, warf Olbra⸗ mowitz ein.
„Wir wollen ihn jetzt enttäuſchen“, entgegnete Thurn. „Doch, Freunde, unterbrecht das Vorleſen der Denkſchrift nicht ferner. Fahrt fort, Herr Martin Frühwein! Es folgen noch die wichtigſten Stellen.“


