Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Kaiſer Rudolf, wie Schweres er uns angethan, wollte uns wohl; er liebte die Böhmen, die ihn zum Könige ge⸗ wählt hatten! Er wohnte unter uns in dieſer Hauptſtadt Prag. Wenn ſein durch Unglück gebrochener Muth, ſein einſames Sinnen und Denken ihn auch ſcheu gemacht hatten vor Menſchen, daß er ſich Allen meiſt verbarg, er blieb uns doch nahe, unſer Wort konnte zu ihm dringen. So erreichten wir es, daß er uns den Majeſtätsbrief ge⸗ währte, der unſern Glauben ſchützen, ihm gleiche Rechte mit den Katholiſchen in dieſem Lande geben ſollte!

Die Erwähnung dieſer Verbriefung der Glaubensrechte brachte eine lebhafte Bewegung in der Verſammlung hervor.

Aber was der Majeſtätsbrief verſpricht, wird nicht gehalten! Pfäffiſche Herrſchſucht und jeſuitiſche Hinterliſt verfälſchen ihn überall! Umtriebe aller Art werden gegen ihn und uns gerichtet, Schmähſchriften der Jeſuiten, die da lehren: Man müſſe uns Ketzern nicht Wort halten!»*)

Thurn wurde, wie es ihm ſtets im Reden geſchah, hef⸗ tiger und heftiger.

Endlos, rief er,ſind, wie ihr Alle wißt, die Be⸗ drückungen. Zumal die argliſtigen Verſuche, unſere Glaubens⸗ brüder abwendig zu machen durch Betrug, Kauf, Beſtechung, Bedrohung, Bedrängung und Beſtrafung! Angeſtellt vollends ward bisher Niemand als die Abtrünnigen; zu Aemtern be⸗ fördert werden nur die Katholiken. Die proteſtantiſchen Pfarrer ſind geknechtet, bedroht, verdrängt, wurden ab⸗ geſetzt, verjagt! Und alles Das, wie ich feſt betheuern darf, gegen den Willen des Kaiſers, nur durch die Ränke ſolcher Diener und Verwalter des Regiments, die das gleiche

Spiel ſpielen mit den herrſchſüchtigen und feindſeligen Mit⸗

*) Hiſtoriſch.