Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Gewalt hat! Das Thier iſt ordentlich ſtolz auf ihn. Wie es den Kopf trägt und die Mähne ſchüttelt. Das iſt aber auch ein Reiter, unſer Graf Heinrich!

Thereſe blickte mit erweckter Theilnahme hinüber. Sie hatte in dieſen unruhigen Tagen den jungen Grafen Thurn noch gar nicht im Hauſe des Vaters geſehen. Er glich mehr der Mutter als dem Vater; der Adel ſeiner Züge verſchmolz ſich mit einer ſanften Anmuth und ſein blaues Auge blickte ebenſo freundlich als feurig. Er ſaß zu Pferde, als ſei er auf dem Sattel geboren; ſo leicht und ſicher, ſo zwanglos und doch ſo ſtolz. Aus ſeinem jugendlich arg⸗ loſen Antlitz ſprach reine Freude und Begeiſterung über das Glück und den Nuhm dieſes Tages, der dem Vaterlande, ſo wähnte er, ein ſolches Heil gebracht und noch größeres verſprach!

Thereſen ergriff es mit einer unnennbaren Wehmuth, als ſie den Jüngling, das Glück und der Stolz ſeiner Aeltern, ſo freudig, ſo hoffnungsüberreich, von der Sonne des Frühlings umleuchtet, zwiſchen den bewegten Volks⸗ maſſen hindurchſprengen ſah. Es war ihr als ſehe ſie ein ſchönes Traumbild vor ſich, hinter deſſen roſigem Morgen⸗ ſchimmer ſchon unheimlich düſteres Gewölk heraufziehe, als Vorbote künftiger ſchwerer Gewitter!

Ein Tromkpetenſtoß ertönte. Die Führer der Soldaten gaben Signale mit dem gezogenen Schwert, die Flügelleute winkten mit Gewehren oder Hellebarden; die aufgeſtellten Mannſchaften traten ſcharf gerichtet ins Glied. Es näherte ſich ein mit vier prächtigen Braunen beſpannter Wagen. Zwei Herren von älterem, würdigem Anſehen ſaßen darin. Wer ſind die Beiden? wandte ſich Thereſe zu Beata. Der im violetten Sammetkleide, mit Gold geſtickt, iſt der Graf Joachim Andreas von Schlick, antwortete dieſe.