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geliſchen Mitglieder der Stände allein, auch die katholiſchen hatten ſich in anſehnlicher Vertretung eingefunden, da Thurn unmittelbar nach der That am 23. Mai, ſo Viele er nur vermochte, durch Boten hatte auffordern laſſen, in Prag zu erſcheinen, während zugleich er ſelbſt und ſeine Freunde überall verkündeten, daß man durchaus keine Verfolgung der abweichenden Glaubensbekenntniſſe beabſichtige. Freund⸗ ſchaft und Brüderlichkeit ſolle herrſchen, und nur die gemeinſame Macht gemeinſame Uebel und die Tyrannei und Gewaltthat Einzelner abwenden, wie ſie durch den Erz⸗ biſchof Lohelius von Prag zu Kloſtergrab und durch den Abt von Braunau dort verübt worden ſei.
Ein ſchöner, ſonnenheller Lenztag begrüßte das Ereig⸗ niß, welches einen neuen Frühling über Böhmen herein⸗
führen ſollte. Auf den Thürmen der Stadt weheten Fah⸗
nen, alle Glocken läuteten, während die Ständemitglieder zur Burg hinaufzogen. Die des Herrenſtandes kamen in ihren Staatswagen, die Ritter größtentheils zu Pferde von Dienern begleitet, welche ihnen am Schloßthor die Roſſe abnahmen, die Mitglieder des Bürgerſtandes zu Fuß, in ihrer Feſtkleidung. Das Volk jubelte den Ein⸗ zelnen, die es kannte, auf die es beſonderes Vertrauen ſetzte, zu und warf die Hüte und Mützen hoch, zu ihrer Begrüßung.
Thereſe hatte, in begeiſterter Theilnahme an den Er⸗ eigniſſen, auch den lebhaften Wunſch gehabt, dieſem feierlichen Vorgang beizuwohnen; die Gräfin Thurn dagegen wollte dies aus mancherlei Gründen vermeiden. Einestheils weil es ſie in ihrem beſcheidenen ſanften Sinn nicht ſchicklich dünkte, ſich zu den öffentlichen Triumphen ihres Gemahls zu drängen, anderntheils auch, weil ihr ahnendes Gemüth nicht Alles in dem Licht des Glanzes und des Glücks ſah,


