Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

219

keinen Arzt, außer Zaloska. Das kann er ſchon ſelbſt heilen.

Siehſt du, ſprach Lucia,ich hatte gut gewählt.

Das hatteſt du, erwiderte Slawata.

Während Zaloska, der einiges Verbandzeug mitgebracht hatte, dieſes ordnete und wieder hinausging, um noch ein Gefäß mit lauem Waſſer zu holen, befragte Slawata ſeine Gattin über die Zuſtände in der Stadt, über die Maß⸗ regeln, die man getroffen habe. Dieſe berichtete ihm, was ſie wußte.

Ihr Zorn wüthet vorzüglich gegen die heiligen Väter der Geſellſchaft Jeſu, erzählte ſie ihm.Ich hörte ſchon, daß ſie einen feſten Beſchluß faſſen wollten, der alle Jeſuiten aus dem Lande verbannt und ihnen ihre ſämmtlichen Güter raubt.

Güter! rief Slawata;was beſitzen ſie denn hier in Prag? Ein paar alte Gebäude, die nicht dreitauſend böh⸗ miſche Schock werth ſind; und in ganz Böhmen ſind ihre Beſitzthümer nicht der Rede werth. Es gehört mit zu den vielen Verleumdungen gegen den Orden, daß man ihn für ſo reich ausſchreit. Die Statuten verbieten ihm ja andern Erwerb als zu öffentlichen, nützlichen Zwecken.

Sie werden die Maßregeln nicht abwarten, antwor⸗ tete Lucia;aus Prag wenigſtens ſind die Väter ſchon, ſoweit ich höre, ſämmtlich entflohen.

Entflohen? rief Slawata.Das iſt ſchlimm! Hier wäre noch viel zu retten! Doch... es iſt dennoch wol beſſer, beſann er ſich,denn ſie können von außen her wirkſamer ſein als hier. Iſt der Pater Thyßka auch fort?

Das ganze Gebäude ſoll leer ſein, hat mir Zaloska erzählt.

10*