Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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und ſelbſt Wohlwollen nicht abzuſprechen war. Er hatte jetzt, wo ſeine nächſte Zukunft ſo ſchwer bedroht war, aller⸗ dings große Urſache, an den Wahlſpruch im Wappen ſei⸗ nes Schwiegervaters, der zugleich die Inſchrift ſeines Hauſes bildete, zu denken:„Respice finem!“ Allein er that es in einem andern Sinne, als man meinen ſollte. Ein energi⸗ ſcher Charakter, wie er war, ſann er ſchon mitten in Ge⸗ fahr und Leiden auf neue Wendungen zu Glück, Herrſchaft, — Nache! Die Beleidigung, die Demüthigung, die Schmach, die er erfahren, erfüllten ihn mehr mit Ingrimm als mit Furcht. Und ſo lag er denn auf ſeinem Krankenbette, ſchwerer von innerer als von äußerer Pein gefoltert; und heißer als die blutende Wunde an ſeinem Haupt brannten darin die Gedanken, die es fieberhaft erhitzten.

Polyxena von Lobkowitz hatte dem Kranken ihre Sen⸗ dung zu ſeiner Gemahlin abſichtlich verſchwiegen, um, wenn der Verſuch fehlſchlüge, nicht durch eine ſcheiternde Hoffnung ſeine Leiden zu verſchlimmern. Wie groß war daher ihre Freude, als ſie, während ſie ſich eben bei Slawata befand, die leiſe überbrachte Meldung von der Ankunft ſeiner Ge⸗ mahlin in Begleitung eines Arztes erhielt. Sie theilte dem Kranken die freudig erſchütternde Nachricht vorſichtig mit, verließ dann das Gemach, und zwei Minuten ſpäter war Lucia allein bei ihrem Gemahl; denn Polyxena wollte die⸗ ſem erſten Augenblicke des Wiederſehens das Recht der Ein⸗ ſamkeit laſſen.— Er war erſchütternd. Lucia flog, ohne eines Wortes mächtig zu ſein, auf ihren Gatten zu und preßte in äußerſter Leidenſchaft ihr Haupt ſtumm an ſeine Bruſt; ſie ſchluchzte nur krampfhaft. Slawata, gleichfalls ſprachlos, hielt ſie feſt umſchloſſen; endlich fragte er:

„Lucia, wie iſt es dir möglich geworden, zu mir zu gelangen?“