die Rache kennen, iſt es unmöglich, daß die Andern nur die Milde und Vergebung üben!“
„Thurn“, ſagte die Gräfin dringender,„denke an den Wechſel der Geſchicke! Wenn ein Tag käme, wo ich von ihr erflehen müßte, was ſie jetzt von mir*)...“
„Nein, dahin ſoll es nicht kommen! Ich hoffe zu Gott, es ſoll nicht!“ unterbrach er ſie warm.„Allein der erſte Schritt zu einer ſolchen Möglichkeit wäre der“, fuhr er mit gerunzelter Stirne fort,„daß ich dem unverſöhnlichſten und mächtigſten aller unſerer Feinde in Böhmen die Freiheit gäbe, ſeine Kraft gegen uns zu gebrauchen!“ Er ging unruhig auf und nieder.
„Wenn eure Sache ſiegt“, begann die Gräfin wieder mit ſanfter Feſtigkeit,„ſo iſt euch Einer nicht gefährlich, und ſiegt ſie nicht, ſo kann die Wohlthat, dem Einen er⸗ zeigt, euch Allen zum Heil werden!“
„O, du kennſt ſie ſchlecht, Eliſabeth, dieſe Männer der Jeſuitenſchule!“ rief Thurn, indem er, ſeine raſchen Schritte plötzlich hemmend, vor ihr ſtehen blieb.„Du meinſt, ſie würden Großmuth üben, wenn die Macht wieder in ihrer Hand wäre, weil ihnen Großmuth geworden? Weißt du nicht, daß den Undankbaren deine Wohlthat ſo drückt, daß er eben ihretwegen dein erbittertſter Feind wird? Wenn Slawata mir Alles vergeben könnte, ſo könnte er mir doch nimmer vergeben, daß er mir Leben und Freiheit ſchuldete!“
Die Gräfin hatte ſo harten Widerſtand nicht vermuthet. Sie war es gewohnt, daß ihr Gemahl jedem ihrer Wünſche Gehör ſchenkte, weil ſie ſo ſelten, ſo beſcheiden, ſo Billiges bat. Sehr bewegt begann ſie noch einmal:„Thurn! die
*) Hiſtoriſches Wort.


