Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

Hände, das Kleid. Sie verehrten ihn gleich einem Schutz⸗ heiligen.

Plötzlich wurde die Thür heftig aufgeriſſen; Xaver trat haſtig ein.

„Wißt ihr, daß kaiſerliche Truppen anrücken?“ rief er laut.„Hier Czernig vom Wald bringt die Nachricht!“ Dabei deutete er auf einen Mann von athletiſcher Geſtalt, im kräftigſten Alter, der mit ihm eintrat. Alle kannten ihn, denn er gehörte zur Gemeinde zer beſaß einen großen Zimmer⸗ hof, der am Gebirge lag, war ein wohlhabender Mann und geachteter Familienvater.

„In einer Stunde ſind ſie hier!“ bekräftigte er Xaver's Ausſage.

„Das Regiment Liechtenſtein⸗Küraſſiere! Es ſoll ein Streich gegen uns ausgeführt werden!“.

„Wie denn das?“ fragte der Pfarrer beſtürzt,„erzählt uns, guter Czernig.“

Czernig trocknete ſich den Schweiß von der Stirn; er war halb außer Athem.

„Ich komme ſoeben zu Fuß von Schwatz herüber; ich habe dort Arbeit in einem der Wirthſchaftsgebäude. Geſtern Mittag ſchon war der Herr Erzbiſchof von Prag im Schloß eingetroffen, und geſtern Abend trafen die beiden Statt⸗ halter, der Freiherr von Slawata und der Freiherr von Mar⸗ tiniz, Smeczanski, wie ſie ihn auch nennen, ein; der Ge⸗ heimſchreiber, Herr Fabricius von Platter, begleitete ſie. Sie waren kaum abgeſtiegen, als ſie ſich ins Gemach zum Herrn Erzbiſchof begaben, dort wurde bei verſchloſſenen Thüren bis zum ſpäten Abend eine Berathung gehalten.“

„Ja, ſie ſinnen und ſpinnen immer Arges gegen uns“, unterbrach Holoduk den Erzähler.

„Diesmal habt Ihr gewiß Recht, Hauptmann Holoduk“,

5

—