Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

ich fühle mich noch friſch und muthig genug, mit der Klinge dreinzuſchlagen. Und Anderes wird uns doch nicht helfen!“

„Damit aber könnten wir uns in das allertiefſte Un⸗ heil ſtürzen“, antwortete Nechodom ernſt.

„Möglich! Aber ich habe die Geduld verloren!“ rief er unmuthig auffahrend.

„Laßt uns ruhig weiter berathen“, beſänftigte Chlodzek den Aufgeregten.„Der Majeſtätsbrief des Kaiſer Ru⸗ dolf iſt unzweifelhaft für uns!“ ſagte er mit Nachdruck. „Er beſagt ausdrücklich, daß wir nicht nur unſere alten, wenn⸗ gleich früher katholiſchen Kirchen, zu unſerm Gottesdienſt be⸗ halten, ſondern auch zu jeder Zeit uns neue erbauen dürfen. So muß man uns doch endlich unſer Recht gewähren.“

„Sie wenden aber ein“, antwortete einer der Gemeinde⸗ älteſten,„daß der Majeſtätsbrief durchaus nicht den Unter⸗ thanen der Geiſtlichkeit, ſondern nur den evangeliſchen Ständen ſolche Gerechtſame geben wolle und dürfe.“

„Das iſt falſch“, ſagte Herbeck trocken.

„Das war“, erwiderte gleichzeitig der Pfarrer,„nur die Antwort des Erzbiſchofs auf die Klagſchrift in un⸗ ſerer Sache, welche unſere Glaubensbeſchützer an die Statt⸗ halter geſandt hatten, die ſie hinwiederum dem Biſchof mit⸗ theilten!“

„Der Kaiſer“, fiel Holoduk ein,„hat zu Brandeis dem Grafen Thurn die nämliche Antwort gegeben. Sie ſind alſo Alle eines Sinnes!“

„Der Graf“, antwortete Herbeck,„hat aber die Ant⸗ wort ſchriftlich verlangt, und da hat man ſie ihm klüglich nicht gegeben. Denn der Majeſtätsbrief beſagt wörtlich, ich weiß die Stelle auswendig:

„Jeder utraquiſtiſche Freiherr und Ritter, und die utra⸗