8
zehn Statthaltern, die der Kaiſer Mathias zur Regierung Böhmens eingeſetzt hatte, die Genehmigung zu dieſem ge⸗ waltſamen Verfahren ertheilt worden. Seit drei Jahren nun ſchon bat und beſchwerte ſich die Gemeinde um die Wiedereröffnung des Gotteshauſes und Herſtellung ihres öffentlichen Gottesdienſtes. Doch ſtets vergeblich. Zetzt, wo das Weihnachtsfeſt eintrat, wollte ſie einen neuen Ver⸗ ſuch dafür machen, denn Allen war es ein heiliges Be⸗ dürfniß, gerade die Feſtfeier wieder in ihrem eigenen Gottes⸗ hauſe begehen zu können. Um ſich zu berathen, wie das möglich zu machen ſei, war eine Verſammlung der Aelteſten und Angeſehenſten der utraquiſtiſchen Gemeinde bei dem Pfarrer Andreas Chlod zek angeſetzt. Zu dieſer war auch der Greis Nechodom, der vormals Pfarrer zu Kloſtergrab geweſen, berufen, obwol er ſeit zehn Jahren wegen ſeines hohen Alters, denn er ſtand im fünfundachtzigſten Jahre, ſein Amt niedergelegt hatte. Allein in den letzten bedrängten
Zeiten hatte er den im Gebirge zerſtreut wohnenden utra⸗
quiſtiſchen Landleuten doch wieder den geiſtlichen Beiſtand geleiſtet und ihnen ſein friedliches Haus, wo er in länd⸗
licher Zurückgezogenheit wohnte, zur heiligen Stätte ge⸗
öffnet, da ſie der Kirche ermangelten. Ueberdies wollten die Glaubensbrüder ſeinen Rath als den des Allerälteſten ihrer Genoſſenſchaft in der ganzen Umgegend, der faſt gleich einem Heiligen verehrt wurde, vor dem aller Andern hören.
Das alſo war der Grund, der den hochbetagten, from⸗ men Nechodom, welcher ſeinen Brüdern im Innerſten ge⸗ treu anhing, in ſo rauher Winterszeit, über drei Stunden Wegs weit, nach Kloſtergrab führte. Der Wagen hielt vor des Pfarrers Chlodzek Hauſe. Noch bevor einer der Rei⸗ ſenden hinabgeſtiegen war, öffnete ſich die Hausthür und der Pfarrer trat mit herzlicher Freude heraus, um die An⸗
—


