Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

Schwerſte überſtanden, wie Xaver ſagt. Ich denke, in einer halben Stunde werden wir in Kloſtergrab ſein.“

„O nein, Vater, es wird wol noch eine ganze Stunde dauern“, erwiderte Javer, der Sohn des Greiſes.„Du denkſt an die Sommerwege; jetzt geht es langſamer und wir müſſen den Umweg am Marienbilde vorbeinehmen, weil wir bei dem Schnee nicht durch den Hohlweg kommen!“

„Ja ſo! Das hatte ich freilich nicht bedacht“, verſetzte der Greis.„Meint Ihr, daß wir doch noch zur rechten Zeit eintreffen, Freund Wolodna?“ richtete er das Wort an den ältern Mann auf dem Vorderſitz, dem Vater des jungen Mädchens neben ihm.

„Gewiß“, erwiderte dieſer.„Darum habt keine Sorge, Vater Nechodom! Wie geht es dir denn, Thereſe?“ wandte er ſich zu ſeiner Tochter.„Frierſt du? Du biſt ſo ſtill?“

„O, das Wetter ſicht mich nicht an, Vater“, antwor⸗ tete dieſe,„es ſind nur meine ernſten Gedanken, die mich ſtill machen!“

„Verſcheuche ſie, mein Töchterchen“, ſagte der alte Ne⸗ chodom freundlich,„wie finſter auch die Zeit ſei, die heitre Jugend muß ſie heiter anſchauen!“

Ein rauher Windſtoß, der ſauſend aus einer Bergſchlucht zur Seite hervorbrach und den Schnee vom Boden auf⸗ jagte, daß er den Wagen dicht umwirbelte, ſchnitt Thereſen die Antwort ab. Xaver erhob den Stecken und trieb die Stiere wieder vorwärts; ſo wurde das kurze Geſpräch unter⸗

brochen.

Nach kurzer Friſt war die Anhöhe von ihnen erreicht; aber ſie hielten droben nicht an, weil der Wind hier allzu heftig ſtürmte. Auf der andern Seite ſenkte der Weg ſich etwas ſteil abwärts; Xaver blieb daher zu Fuß und lenkte