147
„Vertrauen Sie ihn meiner Sorge— von dieſer Seite brauchen Sie nichts zu fuͤrchten. Aber ach Sir, ich wollte wir haͤtten den jungen Schotten wieder in ſeinen alten Kleidern; denn Ihr Reitkleid, das er jetzt traͤgt, gibt ihm ein ganz anderes Anſehen.
Nach der Weiſe zu ſchließen, mit welcher ſich der getrene Diener ausdruͤckte, ſah Albert wohl, daß er vermuthen mochte, wer der ſchottiſche Page in Wirk⸗ lichkeit war, doch hielt er es nicht fuͤr angemeſſen, ihm eine ſo wichtige Sache anzuvertrauen, daß er auf jeine Treue gleich ſicher rechnen konnte, gleichviel ob er ihm alles anvertraue oder es ſeinen eigenen Ver⸗ muthungen uͤberließe. Voll aͤngſtlicher Gedanken ging er in das Zimmer des Victor Lee, von dem ihm Joliffe geſagt hatte, daß er dort alle verſammelt fin⸗ den wuͤrde. Das Gelaͤchter, das ihm entgegen ſchallte, als er ſich der Thuͤr naͤherte, machte einen ſo ſonder⸗ baren Mißton mit den zweifelhaften truͤbſinnigen Be⸗ trachtungen, in welchen ſein eigener Geiſt vertieft war, daß er erſchreckt zuruckfuhr. Er trat ein und fand ſei⸗ nen Vater in vorzuͤglich guter Laune mit ſeinem jungen Begleiter, lachend und ſchwatzend. Der Anblick des Letztern war wirklich ſo ſehr zu ſeinem Vortheil geaͤn⸗ dert, daß es kaum moͤglich ſchien, wie die Ruhe einer einzigen Nacht, Toilette und anſtaͤndige Kleider in ſo kurzer Zeit ſo viel zu ſeinen Gunſten thun konnte. Doch konnte man es keineswegs bloß der Verſchieden⸗ beit der Kleider zuſchreiben, obgleich auch dieſe ohne Zweifel das ihrige beitrugen. Keineswegs glaͤnzend war das, was Louis Kerneguy(wir fahren fort ihn bei ſei⸗ nem angenommenen Namen zu nennen) nun trug. Es war bloß ein Reitkleid von grauem Tuche mit ſt bernen Borten, wie es damals die Landedelleute zu tragen pflegten; aber zufaͤllig paßte es ihm ſehr gut, und ſtand zu ſeiner dunkeln Farbe, beſonders da er jetzt den Kopf aufrecht hielt und ſich nicht allein wie ein wohlgezogener, ſondern auch wie ein volkommner aus⸗ gebildeter Edelmann betrug. Wenn er ſich bewegte ſo
1


