46
„Sprecht mir nicht von dieſem treuloſen, unbeſtaͤndi⸗ gen, plebejiſchen Poͤbel,“ rief Crevecoeur.„Haben ſie die Waſſen gegen einen Fuͤrſten ergriſſen, der keinen Fehler hatte, als ein zu guͤtiger und gelinder Gebieter eines ſo undankbaren Geſindels zu ſeyn, als ſie in ſeine friedliche Wohnung einbrachen, was konnte da anders ihre Abſicht ſeyn, als Mord.— Als ſie ſich mit dem wilden Eber der Ardennen, des aͤrgſten Raubmoͤrders an Flanderns Ge⸗ markungen, verbuͤndeten, was konnte da ſonſt ihr Zweck ſeyn, als Mord, das Gewerbe, von dem er lebt? und war es nicht, wie Du ſelbſt ſagſt, einer von ihrem elenden Ge⸗ ſindel, der die That eigenhaͤndig veruͤbte?— Ich hoſſe, beim Lichte ihrer brennenden Haͤuſer ihr Kanaͤle vom Blute geroͤthet zu ſehen. Welch einen edlen, großmuͤthi⸗ gen Fuͤrſten haben ſie gemordet!— wohl hat man Va⸗ ſallen, ſeufzend unter dem Druck der Abgaben und des Mangels, ſich empoͤren ſehen; aber die Maͤnner von Luͤt⸗ tich, im Schooß des Ueberfluſſes und im Uebermuthe des Reichthums—“ Hier ließ er noch einmal den Zuͤgel ſei⸗ nes Streitroſſes fahren und rang vor Kummer die Haͤn⸗ de, nicht achtend ihrer Panzerbedeckung. Quentin konnte leicht bemerken, daß des Grafen Kummer, durch herbe Erinnerungen freundſchaftlichen Umgangs mit dem Ge⸗ mordeten, geſteigert ward. Schweigend achtete er daher Gefuͤhle, die er nicht erſchweren wollte, und nicht zu lin⸗ dern vermochte.
Aber immer und immer kam Graf Crevecoeur auf je⸗ nen Gegenſtand zuruͤck, befragte ihn um jeden einzelnen Umſtand der Ueberrumpelung von choͤnwald, der Er⸗ mordung des Biſchofs, und dann rief er ploͤtzlich, als ob


