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Fieber erzeugt wurde. Er hatte nicht mehr die Kraft zu
boffen, ſondern ergab ſich darein, hier einſam, fern von
allen menſchlichen Weſen ſein Ende zu finden.— Die Ne⸗ belwolken zogen grau und kalt um den Baum; die eintö⸗ nig ſchauerlichen, näheren oder ferneren Stimmen wilder Thiere, das hohle Brauſen des Stromes, der einſchläfernd rauſchende Regen unterbrachen allein die öde Stille; zwei Geier mit kahlem, aſchfarbigem Hals und Kopf ſetzten ſich wie Todtenvögel ihm gegenüber auf einen Zweig und ließen dann und wann einen heiſeren Ruf hören, der wie der Ausbruch der Ungeduld klang, daß ihnen ihre Beute ſo lange vorenthalten werde. Das Ganze glich den Vor⸗ bereitungen zu einer düſtern Todtenfeier, wie ſie der im Starrkrampf Liegende mit anhört; er wünſcht nur, daß die Qual bald vollendet ſein möge, denn einen Rettungsweg ſieht er nicht mehr. So William. Ju ſeinen geiſti⸗ gen Leiden geſellten ſich körperliche; ein ſchmerzliches gich⸗ teriſches Ziehen in allen Gliedern, welches die Feuchtig⸗ keit verurſachte, und der immer heftiger werdende Hun⸗ ger, zu deſſen Beſänftigung er nur noch einige Brocken aufgeweichten Brotes beſaß, die er mit Arrak anfeuchtete; doch genügte dies nicht ſeine Qual zu ſtillen und er ver⸗ ſchlang daher Baumblätter, um wenigſtens den Schmerz 4 in den Eingeweiden zu lindern. So kam die zweite Nacht heran. Sie ſchien ihm endlos. Wilde Träume jagten ſich durch ſein fieberhaft aufgeregtes Gehirn. Er ſah bald ſeine Mutter, bald ſeine Geliebte; doch ſie ſtanden auf einem andern Ufer und winkten ihm vergebens, zu ihnen herüber⸗ zukommen, denn der Strom tobte brauſend zwiſchen ihm und ihnen hin. Waren es ſchon die Geſtalten des Jenſeits, die ſeine ahnende Seele erblickte?— Von Zeit zu Zeit er⸗ wachte er durch den Hunger und die immer heftiger wer⸗


