— 292—
das Grauen noch, weil er nun nicht mehr wußte, ob die Gefahr vorüber ſei oder das Verderben nur dicht an ſeiner Seite ſchlummere, um unvermuthet neu auf ihn einzubrechen. In dieſer, jede Secunde, jeden Pulsſchlag zählenden Spannung brachte er jetzt den Ueberreſt der Nacht hin.
Endlich wich ſie und mit ihr ließ auch die Heftigkeit des Regens nach. Etwa eine Stunde war vergangen, da wurde es ſo hell, daß William ſich wieder in ſeinem Auf⸗ enthalte zu orientiren vermochte. Er fühlte, wie ſehr Näſſe und Angſt der Nacht ſeine Kräfte erſchöpft hatten. Nur mit großer Mühe vermochte er es, ſich auf den freien Sitz im Gipfel des Baumes hinaufzuarbeiten, von wel⸗ chem er eine Ueberſicht der Gegend hatte. Doch welch ein entmuthigendes Schauſpiel bot ſich ſeinen Augen dar! So weit er ſpähte, waren keine Ufer zu erkennen; er erblickte nichts als ein wolkiges, wogiges Nebelmeer und ſelbſt den Strom, den er zu ſeinen Füßen rauſchen hörte, konnte er nicht ſehen. Wie ſollten jetzt ſeine Freunde ihn auf dem einzelnen Punkte aufzufinden vermögen, ſelbſt wenn ſie es möglich machten, der Gewalt des Stromes und des Ungewitters zu trotzen! Jede Hoffnung entſank ihm; er ſah, daß er das Maß der Schrecken noch nicht erſchöpft hatte, daß es ſich auf eine Weiſe ſteigern konnte, die er ſich nicht näher auszumalen wagte. Dieſe Muthloſigkeit mußte ſich durch ſeinen erſchöpften Körperzuſtand ſteigern; er fühlte heftigen Hunger und eilte daher den Vorrath der Speiſen aufzuſuchen, die er von ſeiner geſtrigen Abendkoſt, durch ein dunkles Vorgefühl geleitet, für heute aufbewahrt hatte. Allein das Maisbrod, welches er bei ſich führte, war durch den heftigen Regen ſo aufgeweicht, daß man es faſt aufgelöſt nennen mußte, und das Fleiſch, ein Stück


