*
— 282—
der Natur ſie zu gewähren vermag; daß ſeine Gedanken dabei den Charakter einer ſanften Schwermuth annahmen, darf Niemand verwundern, aber es war jene Wehmuth, die gern bei dem Gegenſtand ihres Schmerzes weilt und ſich in der Beſchäftigung mit demſelben täglich mehr der innern Geneſung entgegenführt.
Jetzt hatte man den Orinoko ſelbſt erreicht. Die Maul⸗ thiere waren nicht mehr zu gebrauchen, weil man die Fahrt nun zu Waſſer machen mußte. In einem Nachen ließ man ſich nach Muitaca überſetzen und dort miethete Perez ein größeres Fahrzeug, um den Strom eine Strecke weiter auf⸗ wärts zu fahren, wo ſeine Ufer weniger bewohnt ſind und daher die Wildheit der Natur dem Reiſenden eine reichere Ausbeute gibt. Noch war dies möglich, obwol die äu⸗ ßerſte Zeit, wo es geſchehen konnte, denn die heiße Periode des Jahres nahete ihrem Ende und man erwartete daher die Regenzeit, wo der Strom ſo anſchwillt, daß es un⸗ möglich iſt, gegen ſeinen Andrang zu kämpfen. Dieſe Fahrt dauerte mehrere Wochen und William lernte dabei Sitten und Sprache der Eingebornen genauer kennen, in⸗ dem man, um die großen Unkoſten des Unternehmens zum Theil zu decken, einen Vorrath von Fabrikwaaren einge⸗ kauft hatte, die man an den verſchiedenen bewohnten Punkten des Ufers gegen andere Bedürfniſſe, deren man ſelbſt benöthigt war, und zum Theil auch gegen baares Geld austauſchte. Die Naturſchauſpiele auf dieſer Fahrt waren äußerſt mannichfaltig. Obwol jetzt am Schluß der heißen Jahreszeit die Waſſer am ſeichteſten waren, ſo bil⸗
dete der Strom doch oft einen unermeßlichen See, der nur
durch blinkende Felſenplatten, von denen der glühende Strahl der Sonne zurückprallte, hie und da unterbrochen wurde. Dichte Waldungen zogen ſich am Ufer hin, oft


