Teil eines Werkes 
18. Band = Neue Folge, 6. Band, Erzählungen : 4. Theil (1847)
Entstehung
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— 232— den Himmel, daß er unſere Flucht beſchirme.“ Der Vicomte ſprach dieſe Worte ſo ohne Leidenſchaft, ſo als das be⸗ ſtimmte Reſultat des reiflichſten Beſchluſſes, daß die Hoff⸗ nung, ſeinen Sinn zu wenden, vergeblich erſchien. Eſtelle war an das Herz ihres Bruders geſunken und verbarg ihr bleiches, in Thränen überſtrömendes Antlitz an ſeiner Bruſt. Der erſchütterte Vicomte verließ das Gemach; William blickte finſter zur Erde, als ſtarre er allen ſchönen Bildern der Hoffnung nach, welche plötzlich ein unermeßlicher Ab⸗ grund vor ihm verſchlungen hatte.„Lebe wohl, Eſtelle,“ ſprach er endlich und ergriff ihre herabhängende Hand; und jetzt wandte ſich die Liebende zu ihm, ſank an ſein Herz und ihr erſter Kuß war der des ewigen Abſchieds. Die Thränen der Liebe und der Freundſchaft miſchten ſich un⸗ nennbar ſchmerzlich und ſüß, doch der eherne, brauſende Strom des Schickſals wälzte ſich zwiſchen die liebenden Her⸗ zen hindurch und riß ſie auseinander.

Viele Tage ging William wie im Traum umher. Selbſt die Blut ausſpeienden Vulkane und Erdbeben der Revolu⸗ tion rings um ihn her weckten ihn nicht aus ſeinem dü⸗ ſtern Brüten. Erſt die langſame, aber beharrliche Zeit that

es. Er öffnete die Augen und ſah mit Schaudern, wie das Unkraut der Drachenzähne, das man unter die edle Saat der Freiheit geſtreut hatte, zu einem unabſehbaren Walde grauenhafter Giftgewächſe emporgeſchoſſen war, die Alles ringsum mit ihrem tödtlichen Hauch verpeſteten. Er ſah, wie die heiligen Geſtalten des Rechts, der Treue, der