Teil eines Werkes 
18. Band = Neue Folge, 6. Band, Erzählungen : 4. Theil (1847)
Entstehung
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Kopfbedeckung verloren, das Haar ſich aufgelöſt; in langen herrlichen Locken floß es über die Schultern herab.

Als ſie St. Val herantreten ſah, maß ſie ihn mit ei⸗ nem unbeſchreiblichen Blicke, als wolle ſie ſagen:„Es iſt nicht lange her, daß Du ſo vor mir ſtandeſt, wie ich jetzt vor Dir.“

Er näherte ſich ihr und ſprach leiſe ſpaniſch:

„Fürchtet nichts, ſchöne Donna! Ich verbürge Euch Leben und Freiheit!“

Sie erwiderte raſch, daß es alle ihre Mitgefangenen hörten:„Ich fürchte Nichts für mich, nur für die Meini⸗ gen; ich theile ihr Schickſal!“.

„Und ich das Eurige,“ rief St. Val plötzlich entſchloſ⸗ ſen und feurig.

„Mein Oberſt! Kameraden! Was habt Ihr über dieſe Gefangenen beſtimmt?“ fragte er mit erhobener Stimme.

„Den Tod, nieder mit ihnen!“ riefen hundert Stim⸗ men zugleich.

„Sie werden ſämmtlich zur Sühne dieſes Gemarterten zu ſeinen Füßen erſchoſſen werden,“ ſprach der Oberſt mit feſter Stimme, als der Tumult ſich gelegt hatte.

„So macht mit mir den Anfang, Kameraden!“ rief St. Val laut,„denn ich betheure Euch, ich werde dieſe nicht überleben!“

Alle ſtanden erſtaunt und aufhorchend.

„Kriegsgefährten, Ihr ſeid Franzoſen!“ fuhr er mit er⸗ hobener Stimme fort.„Ihr wißt, was Großmuth, was ein Vaterland, was Dankbarkeit iſt! Auf Großmuth dür⸗ fen die gefangenen Frauen und Greiſe zählen, auf Achtung Die, welche für ihr Vaterland fechten, auf Dankbarkeit un⸗ ſre Retterin. Seht dieſe Jungfrau; ihrem kühnen Gebot, welches der Wuth aller Spanier trotzte, danken ich und