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ſeine eigene Lage in der Spannung über dieſe wunderbare Erſcheinung vergaß, rief unwillkürlich:„o Himmel!“
Doch eben ſo ſchnell hatte ſich Alonzo der Heldenjung⸗ frau zu Füßen geworfen und rief:„Ich gehorche Dir und wenn meine Bruſt zerreißen ſoll!“ Dabei küßte er inbrün⸗ ſtig den Saum ihrer herabhängenden Gewänder, ſprang dann blitzſchnell auf St. Val zu, zerſchnitt in einem Au⸗ genblick deſſen Bande mit ſeinem Dolch, ſo daß der Gefan⸗ gene frei daſtand, und dann rief er in einer, einem fanati⸗ ſchen Wahnſinn ähnlichen Begeiſterung aus:„Viva la nue- stra Sennora!“
„Viva, viva!“ erhob der ganze Kreis die Stimmen und Elvira blickte ſtolz, mit leuchtenden Augen über die Männer hin.
„Spanier! Brüder!“ rief ſie,„ich trage Eure Fahne voran in der Schlacht! Dieſe Bruſt ſei die erſte, die ſich den feindlichen Kugeln entgegenwirft!“
Die Spanier wollten fortſtürzen, um auch die übrigen Gefangenen zu entfeſſeln und ihre Martern zu hindern. Doch als habe Elvira's begeiſtertes Wort die Erfüllung deſſelben ſofort herbeigerufen, ertönte plötzlich ein dröhnen⸗ des Krachen von den Spitzen der Berge, als brächen die Felſen zuſammen. Es waren Kanonenſchüſſe, deren Don⸗ ner im Wiederhall der Felsſchluchten betäubend fortrollte. Alles ſtarrte umher, in den Lüften ziſchte es wie tauſend Schlangen, die Zweige der alten Kaſtanien ſchlugen ſchmet⸗ ternd gegen den Boden, Staub wirbelte in hohen Wolken
auf und ein Schreckensruf niederſtürzender Krieger theilte die Lüfte.
„Wir ſind uͤberfallen,“ rief Malleros,„Verrath! Auf, Bruͤder, gegen den Feind!“


