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keit könnt Ihr nicht bezwingen und letzt Euch wie der Ti⸗ ger an langſam ausgeſogenem Blut! Die Grauſamkeit iſt feig! Den feigen Spanier verachte ich!“
Malleros bezwang den Ingrimm ſeiner Bruſt, der fin⸗ ſtre Schatten über ſeine Stirn warf, und erwiderte:„Schöne Elvira, Ihr ſeid ſehr ungerecht! Ihr wißt nicht, wie weit die Macht des Führers reicht!“
„Vollends unwürdig,“ ſprach Elvira zuͤrnend,„daß Ihr Euch ſelbſt den Vorwurf feiger Schwäche aufbürdet, um dem der Grauſamkeit zu entgehen! Ihr vermöget dieſe Greuel nicht zu hindern? Wol denn, ſo verſinkt vor Scham, denn ich vermag es, ich, ein Weib!“
Bei dieſen Worten hatte ſie die Zügel ihres Maulthie⸗ res mit der Linken wieder ergriffen und zog mit der Rech⸗ ten einen Dolch aus dem Gürtel.„Spanier!“ rief ſie und deutete auf St. Val,„bindet den Gefangenen los! Ster⸗ ben ſoll er, ſterben müſſen ſie Alle, aber nicht wie der Cannibale mordet. Bindet ihn los!“
Alle ſchwiegen; keiner wollte ungehorſam ſein, aber auch keiner zuerſt gehorchen. Der Jüngling Alonzo aber ſprang auf. Seine Augen funkelten wie zwei Sterne; er bebte vor innerer Bewegung. Zitternd trat er vor Elvira hin, blickte zu ihr auf, erhob drohend ſeinen Dolch, ließ ihn ſinken, erhob ihn wieder und bebte ſtärker. Endlich brachte er mühſam die Worts hervor:„Sennora, meine beiden Schweſtern— Rache!“
„Gehorcht mir jetzt, augenblicklich,“ rief Elvira,„oder dieſer Dolch durchbohrt mich vor Euern Augen!“ Sie er⸗ hob dabei die im Widerſchein blitzende Waffe mit ſo ent⸗ ſchiedenem Willen gegen die Bruſt, daß Niemand zweifeln konnte, ſie werde ihren Entſchluß ausführen. St. Val, der
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