den hellen Lichtkreis des nächſten Wachtfeuers gelangen und dann auch ihr Antlitz völlig ſichtbar ſein. Zwei Momente und die Nacht, welche ſie umgab, zerfloß und ein röthlich ſchimmerndes Licht umſtrahlte ſie. Welch eine milde Ho⸗ heit des Antlitzes! Augen ſchwärmeriſch düſter, die unter langen dunkeln Wimpern glänzten, eine hohe Minerven⸗ ſtirn, Kinn und Wangen von zarter Wellenlinie der Ju⸗ gend umgrenzt, tiefer Purpur der Lippen, die zwar ernſt geſchloſſen, doch durch einen wehmüthigen Zug ſanft mil⸗ dernd umſpielt wurden.
Sie hielt an; Malleros war ritterlich ſchnell bei der Hand, um ihr den Bügel zu halten und ihr aus dem Sat⸗ tel zu helfen. Doch ſie blieb ſitzen, obgleich ihre Begleiter abſtiegen. Es ſchien St. Val, als hefte ſie ihre Blicke mit ſtummer Aufmerkſamkeit auf ihn. Da war es ihm, als müſſe er jetzt ſprechen, als ſende ihm der Himmel in die⸗ ſem hehren und doch ſo milden Weſen einen Engel der Rettung, wenn er nur Kühnheit genug habe, das göttliche Zeichen zu verſtehen und nach ſeiner Deutung zu handeln. Ein muthiger Entſchluß gehörte dazu, denn wenngleich die Gefahr ſeiner Lage ſich für St. Val nicht vermehren konnte, ſo muß der Mann von Ehrgefühl und Hochſinn dennoch ei⸗ nen ſchweren Kampf in ſich beſtehen, um ein Wort der Bitte zu wagen, wo es mit Hohn zurückgewieſen werden, als ein Bekenntniß der Verzagtheit erſcheinen kann. Doch das Gefühl der Pflicht, für ſeine Gefährten zu handeln, und ein feſtes Vertrauen zu der edeln Geſtalt vor ſeinen Augen überwanden die Scheu und er begann mit ernſtem ſanften Ton der Stimme:„Edle Sennora! Ihr erſcheint wie das Bild der ewigen Gnade vor meinen Augen; Euer Wort muß Jedem, der es vernimmt, ein Gebot ſein. Er⸗
füllet den Beruf des Segens, den Eure holdſelige Geſtalt 4


