Teil eines Werkes 
18. Band = Neue Folge, 6. Band, Erzählungen : 4. Theil (1847)
Entstehung
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zäumten Maulthier eine hohe Frauengeſtalt, deren ganze kriegeriſche Kleidung und Haltung verriethen, daß ſie zu den muthigen Spanierinnen gehörte, die, begeiſtert für die Sache des Glaubens und des Vaterlandes, alle Gefahren und Be⸗ ſchwerden mit den Männern theilten. Ein helmartiger Hut, mit weißen Federn geſchmückt, zierte ihr Haupt; ſchwarzes Haar ringelte ſich in reichen Locken darunter hervor und fiel ihr in den Nacken herab, halb von dem breiten ſpani⸗ ſchen Kragen gehalten, deſſen weiße Falten den Nand ei⸗ nes dunklen Neitkleides begrenzten.

Züge des Antlitzes konnte St. Val wegen der Entfer⸗ nung und der unſichern Beleuchtung durch Feuerglanz noch nicht unterſcheiden, entſprachen ſie jedoch nur irgend dem Adel der Geſtalt, der Majeſtät und Anmuth des ſchlanken Nackens und Halſes, deſſen Weiße ſich blendend durch das dunkle Haar hob, ſo mußte ſie von hinreißender Schönheit ſein.

Dieſe Erſcheinung mitten unter der wilden Horde glich einem Wunder. Es war St. Val zu Muthe, als ſei plötz⸗ lich eine Göttin unter die Barbaren getreten und werde ſie mit edlerem Wiſſen erleuchten, durch ſanftere Gefühle be⸗ zwingen. Es ſchien ihm unmöglich, daß in der Gegenwart, in der Nähe einer ſo herrlichen Geſtalt die fanatiſche Bar⸗ barei ihre Abſcheulichkeiten ausüben dürfe. Der Schwung ſeiner jugendlichen Phantaſie ließ ihn in dieſer Unbekannten einen Engel der Rettung ſehen und ſeine Bruſt erfüllte ſich, je mehr er ſich in ihren Anblick verlor, mit unnennbaren Gefühlen ſeliger Beklommenheit und Hoffnung.

Langſam ritt die kriegeriſche Schöne zwiſchen ihren Be⸗ gleitern näher; jetzt wurde ſie wieder von dem Schatten ei⸗ ner uralten Kaſtanie bedeckt, ſo daß kaum die Umriſſe der

Geſtalt zu erkennen waren. Aber nun mußte ſie gleich in