Teil eines Werkes 
18. Band = Neue Folge, 6. Band, Erzählungen : 4. Theil (1847)
Entstehung
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Zukunft, die ihn vielleicht in der nächſten Minute ereilte, mit erneuten Schrecken vor die Seele. Er fühlte, daß ſein männlicher Entſchluß wankte; feſt drückte er die Augen zu, um die qualvollen Zuckungen des gefolterten Kameraden nicht zu ſehen; doch die Jammertöne ſeines Angſtgeſchreies dran⸗ gen in ſeine Seele und das entſetzliche Bild blieb vor ſei⸗ nem innern Auge ſtehen. So riß es ihm gewaltſam die Blicke wieder nach dem Ort des Schreckens hin; doch ſchon hatte man dem Gepeinigten neue Martern bereitet, denn man ſtellte nun ein eiſernes Becken mit glühenden Kohlen unter ſeine Fußſohlen, daß er die gebundenen Füße krampf⸗ haft aufwärts zog, um der langſam verſengenden Hitze zu entgehen, die ſeine Sohlen verbrannte. Jetzt aber wich der Schrecken aus St. Val's Bruſt und ein wilder Grimm be⸗ mächtigte ſich ſeiner; er gab ihm die männliche Kraft zu⸗ rück. Knirſchend erhob er das Haupt gen Himmel und ſein Gebet war ein Ruf zum Allmächtigen um Nache.

Ein laut aufſchallendes Jubelgeſchrei drang plötzlich an ſein Ohr. Er ſah die Mannſchaften aller Feuer in Bewe⸗ gung; ſie verließen dieſelben und ſtrömten der Mitte des Lagerplatzes zu, wo ſich die Menge zuſammendrängte. Auch von der ihm zunächſt gelegenen Feuerſtätte eilte Alles da⸗ hin und Malleros ſelbſt flog raſch von ſeinem Sitze auf und ſuchte ſich dem Strom voranzudrängen. St. Val konnte nur einige dunkle Geſtalten zu Roß erkennen, die in der Mitte des Volkes hielten; zufällig fielen gerade dichte Baum⸗ ſchatten auf dieſe Stelle. Doch hörte er den oft erneuten Ruf:La Sennora! La Sennora! Viva la Sennora! Bald wurde ihm deutlich, wem dieſer Ausruf galt; denn die zu Pferd Sitzenden bewegten ſich im Gedränge langſam vorwärts und plötzllich beſtrahlte ſie ein heller Feuerſchein.

Da ſah er zwiſchen zwei Reitern auf einem prächtig ge-e