Teil eines Werkes 
18. Band = Neue Folge, 6. Band, Erzählungen : 4. Theil (1847)
Entstehung
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1 der Flamme leuchtete; Frauengeſtalten, die anmuthig, ver⸗ ſöhnend, verſüßend durch das rauhe Kriegsgetümmel ſchweb⸗ ten; das kriegeriſche Signalhorn auf der Spitze der Höhen, 4

das die fernen Wachen benachrichtigte, Klang der Caſtagnet⸗ ten, der Mandoline, der Geſänge, ein Trommelwirbel, ein⸗ zelne Schüſſe. Plötzlich drang ein Angſtruf, deſſen Ton das Herz zerriß, mitten durch die ſchwirrende Unruhe und Alles horchte auf. St. Val richtete ſeinen Blick nach der Gegend, woher der Laut kam, und ſah, das Entſetzen er⸗ ſtarrte ſeine Bruſt, den blutenden Körper eines halbnackten Jünglings, der, von vier wilden Spaniern gepackt, an ei⸗ ner alten Kaſtanie emporgehoben wurde, während zwei An⸗ dere ſeine übereinander gebundenen Hände mit einem eiſer⸗ nen Bolzen an den Stamm des Baumes nagelten. 4Ihr verhöhnet den Gekreuzigten, erhob ein Prieſter ſeine Stimme, indem er ein Crueifix emporhielt,ſo ſollt Ihr ſeine Martern dulden.

Jetzt ließen die Henker den Unglückſeligen los, denn er hing an dem Eiſenbolzen und ſein Körper wand ſich in krampfhaften Zuckungen. Die Menge ringsumher fiel auf die Knie und ſtimmte, nach dem Vorbilde des fanatiſchen Mönchs, einen Lobgeſang an.

Grauenvoll, entſetzlich! rief St. Val aus; und er wußte ſelbſt kaum, ob das Bild des Gemarterten oder ſein eigenes Loos, welches er in dieſem furchtbaren Spiegel er⸗

4 blickte, oder endlich der fanatiſche Wahnſinn, der den Gott der Gnade und des Erbarmens auf das entſetzlichſte läſterte, indem er ihn zu verherrlichen wähnte, ihm die Bruſt krampfe haft zuſammenpreßte. Es zuckte ihm unwillkürlich in den Händen, um ſich das Geſicht damit zu bedecken; da fühlte er ſich von ſeinen Banden gehemmt und dieſe körperliche

Erinnerung ſtellte ihm ſeine eigene Lage und die furchtbare