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Luſt einer Stunde das ganze Lebensglück und Heil der Un⸗
glücklichen, vergeblich um Erbarmen Flehenden aufzuopfern. Als bleiche Jammergeſtalten, mit erloſchenen Augen, wil⸗ 4 dem Haar, zerriſſenen Kleidern, wahnſinnig vor Angſt und Schmerz, waren ſie zurückgeflüchtet in die Gebirgsſchluch⸗ ten, um den Bruder aufzuſuchen, der die Waffen ergriffen hatte. Ihr Bild ſtand jetzt vor ihm, darum arbeitete Zorn und Schmerz in ſeiner Seele und Keiner, bei deſſen Ge⸗ burt Frankreichs Sonne geleuchtet hatte, durfte auf Alon⸗ zo's Erbarmen hoffen. 3
Doch der Boleros ertönte fröhlich; die andern Krieger miſchten ihren Geſang darein. Eins der Mädchen tanzte den Fandango und der Reiz ihrer Bewegungen, wie ſie, angeſtrahlt vom Purpurhauch der Flamme, über den Ra⸗ ſen hin und her ſchwebte, war unbeſchreiblich ſelbſt für Den, 11 dem die ernſte Stimme der Gewißheit zurief: du ſiehſt dies zum letzten Male. Ebenſo lebhaft ging es bei den übrigen Feuern zu; die
Geſtalten waren jedoch nur unbeſtimmt, im Halbdunkel ſicht⸗ bar, ausgenommen wenn ſich eine einmal dicht im vollen Feuerglanz zeigte. Ein röthlicher Nauch, mit Funken ge⸗ miſcht, zog über die Gruppen hin, an den Felshöhen hin⸗ auf und verlor in die Zweige, oder ſchwebte in dünnen Schleiern über den tiefblauen ſüdlichen Nachthimmel dahin, daß die Sterne nur einzeln und bleicher hindurchglänzten. Wandte der Blick ſich ihnen zu, ſo empfand die Bruſt die* hehre Stille der Nacht, die heilige Nähe der großen, ewi⸗ gen Natur. Auf der Erde aber miſchten ſich die Bilder
des Lebens bunt durcheinander. Männer zu Fuß und zu
Noß, ſtehend, Waffen prüfend, an Feuern gelagert, trin⸗
kend, tanzend, mit der Zither im Arm; gezäumte Maul⸗
thiere, Waffentrophäen, Kriegsgeräth, das im Widerſchein


