Teil eines Werkes 
18. Band = Neue Folge, 6. Band, Erzählungen : 4. Theil (1847)
Entstehung
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tilgung der Ungläubigen im Zeitalter der Kreuzzüge die höchſte chriſtliche Pflicht war, ſo war die Vertilgung der Franzoſen jetzt des Spaniers höchſte, chriſtliche und vater⸗ ländiſche Pflicht zugleich, und darum hieß der erſte Satz ſeines Glaubens:Haß gegen Frankreich! und erſt der zweite:liebe deinen Nächſten als dich ſelbſt. Denn zu den Schergen des Eroberers, der den jungen angeſtammten König verrätheriſch gefangen hielt, dem Volke einen andern, verachteten aufdrang und jedes Recht der Völker mit eher⸗ nem Fuß zertrat, zu den Sklaven ſeines Gebots, die jedem Wink ſeines frevelhaften Begehrs mit frecher Bereitwillig⸗ keit gehorchten, gab es für den Spanier keine chriſtliche Gemeinſchaft, keine Liebe, noch Nächſtenpflicht. Die ſeine Klöſter räuberiſch plünderten, die Heiligthümer entweihten, die Jungfrauen Spaniens entehrten, ſelbſt Derer nicht ſchon⸗ ten, welche ſich am Altar des Herrn zu himmliſchen Bräu⸗ ten gelobt hatten, ſie waren ihm nur Diener der Hölle und die Prieſter bezeichneten ſie als Verruchte, Verworfene, ih⸗ ren Führer aber als den Verworfenſten von Allen. Daher war ihre Vertilgung, ihre Peinigung ein frommes Werk, das den Eingang zum Himmel öffnete. Darum ergriff ſelbſt der Mönch die Waffe und ſchwang ſich zu Roß; die Stimme, die ſich bisher nur zum frommen Gebet am Altar des Herrn erhoben, ertheilte jetzt mächtig ſchallend kriegeriſche Befehle mitten im Getümmel der Schlacht und auf ihren Ruf ſtürzte der Spanier freudig in den Tod. 3 Erbarmen war das Wort, welches Niemand kannte in dieſem Kriege des Völkerhaſſes; ja ſelbſt in der Frauenbruſt war es ein fremder, unverſtandener Laut geworden, der wirkungslos verhallte. Darum konnte Guitteria, ein holdes, liebes Kind, das ihre Täubchen, ihre Kanarienvögel zärtlich liebte und hegte,