Teil eines Werkes 
18. Band = Neue Folge, 6. Band, Erzählungen : 4. Theil (1847)
Entstehung
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es dennoch als ein Liebesgeſchenk erbitten, einen blutenden Gefangenen zu Tode zu martern, um ſich die Gnade der Kirche damit zu verdienen.

Der Zug war nunmehr von den Bergen herab ins Thal gekommen, wo Raum genug blieb, die Scharen zu ver⸗ ſammeln. Der Führer der Guerilla, ein Mann in rüſtigen Jahren, Don Malleros, ein Edler der Nachbarſchaft, ließ einen Kreis ſchließen und die Gefangenen in die Mitte deſ⸗ ſelben treten.

Wer mit eigener Hand einen Gefangenen gemacht hat, trete hervor, hub Malleros an. Maſetto und einige An⸗ dere traten aus den Reihen in den Kreis.

Nehmt Die, welchen ihr die Waffen im Kampfe abge⸗ nommen habt, mit Euch, ſprach Malleros,ſie ſind Euer rechtmäßiges Eigenthum; ſchaltet damit, wie Ihr möget. Die Andern ſind gemeinſchaftliches Gut und ſollen vor Al⸗ ler Augen einen qualvollen Tod ſterben.

St. Val verſtand die Landesſprache. Er hörte, was der Führer ſagte, und fühlte die Pflicht, wie vergeblich das Unternehmen ihm auch ſcheinen mochte, die Rettung der ihm anvertrauten Krieger zu verſuchen. Er richtete ſich ſo ſtolz und kräftig auf, als ſeine Wunde und Erſchöpfung es zuließen, und ſprach:

Wir ſind Kriegsgefangene! Das Völkerrecht nimmt unſer Leben in Schutz; ich darf erwarten, Sennor, daß Ihr ebenſo wenig Gefangene ermorden werdet, wie dies von franzöſiſcher Seite geſchieht!

Malleros blickte St. Val mit tiefer Verachtung an und ſchwieg.

Der Krieg hat Schrecken und Jammer genug, fuhr St. Val fort;die Pflicht fodert es leider zu oft, daß wir