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ſchüſſe ſchallten. Das Gefecht war ſehr glücklich geweſen. Die in einer Felsſchlucht, dicht bei der Brücke eines Ge⸗ birgsfluſſes, über welchen die große Straße von Bayonne nach Pampelona führt, verborgenen Söhne des Gebirgs hatten ein franzöſiſches Regiment, von dem die Kundſchaf⸗ ter Nachricht gebracht, auf dem Marſche überfallen und nach einem mörderiſchen Feuer aus den Felslöchern und hin⸗ ter Baumſtämmen hervor, wobei jeder Schuß ſeinen Mann traf, daſſelbe zum Weichen gebracht. Eine Anzahl Gefan⸗ gener und eine große Beute an Waffen und anderem Kriegs⸗ bedarf belohnte die Sieger.
Die Gefangenen, bleich von Nachtfroſt, denn ſie waren halb nackt, blutig, der franzöſiſche Soldat ergab ſich nicht unverwundet, ſchleppten ſich mühſam zwiſchen den bewaff⸗ neten Männern hin. Einige waren muthlos, denn ſie dach⸗ ten an den martervollen Tod, der ihrer harre; Andere be⸗ hielten den Grundzug des franzöſiſchen Charakters und be⸗ wahrten einen trotzig kecken Leichtſinn; die Meiſten waren ernſt, aber gefaßt, denn ſie fühlten ſich von jener Begeiſte⸗ rung durchdrungen und gehalten, die die Krieger des ruhm⸗ gekrönten Kaiſers erfüllen mußte. Unter den Letztern war Einer, deſſen edles männliches Anſehn unwillkürlich zur Ehrfurcht zwang, wiewol man ihm die Hände ſchmachvoll auf den Rücken gebunden hatte und er, vom Blutverluſt geſchwächt, bleich und ſchwankend einherging. Er war Of⸗ fizier, Capitain der erſten Compagnie des Regiments, welche den Zug eröffnet hatte und durch den Ueberfall der Spa⸗ nier, die das Defile plötzlich ſperrten, abgeſchnitten worden war. Von allen Seiten umringt, ohne Hoffnung zu ſie—
gen, hatte er ſich doch mit ſeinen Leuten auf's tapferſte vertheidigt, bis die Meiſten durch die Büchſenſchützen hin⸗ ter Buſch und Fels niedergeſtreckt waren und nur wenige


