Teil eines Werkes 
17. Band = Neue Folge, 5. Band, Erzählungen : 3. Theil (1847)
Entstehung
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Namen in die Glut hinein, vergeblich lief ſie rings um das Haus und den Hof herum, von allen Seiten nur Rauch und Flammen. Er konnte nicht mehr am Leben ſein! Weinend ſetzte ſie ſich endlich vor dem dampfenden Gehoöft auf den Boden, wo die Glut ſie wenigſtens vor der Kälte ſchützte; denn ſie war beinahe unbekleidet, da Die, welche ſie mishandel⸗ ten, ihre Kleidungsſtücke faſt ganz herabgeriſſen hatten. So brachte ſie den Tag, ſo brachte ſie die Nacht zu. Am an⸗ dern Morgen quälte ſie der Hunger, ſie ging in die nächſte Hütte und bettelte um Brot. Doch alle Bewohner der Ge gend waren Anhänger der Engländer, oder fürchteten ſich, die Tochter des Spions aufzunehmen. Mitleidslos wurde ſie zurückgewieſen; ſo ging es ihr an der zweiten, an der dritten Hütte, überall wo ſie anklopfte. Endlich ſank ſie erſchöpft unter einem Baum in den Schnee nieder. Es war derſelbe, wo ihr Vater vor ſieben Jahren Jacques am Wege gefunden hatte. Da hörte ſie von weitem fröhliches Geräuſch, Geſang und Schallmeien. Es waren die Schüler von Chateau Thierry, die, wie es Gebrauch iſt, nach Val⸗ ſecret zogen, um, ihren König an der Spitze, den from⸗ men Vätern ihre Huldigung darzubringen, denen der König eine Anrede halten mußte. Sie hatten ihre Hüte, wie es Sitte war, mit Stechpalmen geſchmückt und waren fröhlich und guter Dinge, denn es erwartete ſie im Kloſter eine reichliche Mahlzeit und zum Abend hatte der König der Neude, Jacques, der plötzlich reich geworden war, ihnen beim Vater Guibal ein großes Trinkgelag verſprochen. Es ſollte zugleich zum Abſchiedsſchmaus ſein, denn er war ja nun nicht mehr Schüler, ſondern konnte ſich Meiſter Jacques nennen, ein Titel, unter dem er lange Zeit als der beſte Copiſt der ganzen Gegend bekannt blieb. Als ſie an dem Baum vorüber kamen, unterbrach eine klagende

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