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Doch der rohe Barbar ſtieß ſie mit dem Fuß zurück und rief:„Fort, Du widerliches Scheuſal! Du magſt Dich dazu hängen, wenn Du Luſt haſt. Macht mit ihr, was Ihr wollt, Leute! Plündert den Hof und ſteckt ihn in Brand!“— So wand er ſich von ihr los, riß ihr dabei mit dem Sporn in den Arm und ging hinaus!— Ratinel ballte krampfhaft die Fäuſte, ſchlug um ſich wie ein Ra⸗ ſender und ſchleuderte drei Kriegsknechte zu Boden. Doch bald hatte man ihn überwältigt, band ihm Hände und Füße uͤber den Rücken zuſammen und fing an die grauſame Mar⸗ ter an ihm zu vollziehen, indem man ihn an einem Seil in die Höhe zog. Da ſah er, während Einer der Henkers⸗ knechte ihm das Ohr herunterſchnitt, daß die Andern über ſeine arme Tochter herfielen und ſie zu wildem Misbrauch, ein Schickſal, vor dem ſelbſt die grauſame Krankheit, die ihre Schönheit zerſtört hatte, ſie jetzt nicht ſchützte, auf den Boden warfen. Bei dieſem Anblick und dem Angſtgeſchrei Louiſon's ſchrie Ratinel laut auf wie ein Raſender:„Blen⸗ det mich gleich, daß ich's nicht ſehe, habt Barmherzigkeit, blendet mich!“ Doch ehe der Stahl in ſeine Augen drang, war das Aeußerſte geſchehen und Ratinel rief jammernd und verzweifelnd aus:„Warum habe ich geglaubt, daß eine gute That ſich belohnt, daß eine Wohlthat Segen brin⸗ gen muß!“— Da ſchlugen ſchon die Flammen aus dem Dache auf und die Soldaten mußten flüchten. Höhnend und mit Peitſchenhieben trieben ſie die arme Louiſon vor ſich her zum Gehöft hinaus, bis ſie für todt auf den Bo⸗ den niederſank. Dort ließen ſie ſie liegen, ſchwangen ſich auf die Pferde und ritten nach Chateau Thierry zurück. Als Louiſon erwachte, wälzte ſich eine dichte Rauch⸗ wolke über ſie hin. Das Haus ihres Vaters war ſchon zuſammengeſtürzt. Vergeblich rief ſie händeringend ſeinen


