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um ihm den Antrag zu machen, daß er ſein Geſchäft kau⸗
fen wolle. Er zeigte dabei eine Börſe mit Gold vor, die
den Kaufpreis wenigſtens zwiefach enthielt! Ratinel ſaß am Kamin und ſchnitzt zierliche Holzſtäbe zurecht, die er auf dem Markt zu verkaufen pflegte; ſein
Zorn war halb verraucht.„Es iſt ein Wort,“ dachte er,
„das dem Gereizten in der Hitze entfahren iſt; er wird ſo ſchändlich nicht handeln, das vermag kein Menſch!“ In⸗ dem kam Louiſon ängſtlich herein und berichtete, draußen
ſtünden engliſche Soldaten in großer Menge und beſetzten den Pachthof. Natinel ſchreckte zuſammen, ſeine Lippen er⸗
blaßten; er fuhr ſich mit der Hand über die Stirn, aus der ein kalter Angſtſchweiß plötzlich ausbrach.„Kind, wir ſind verloren!“ rief er aus;„Jacques, die giftige Natter, hat uns verrathen! Komm, gleich zur Hinterthür hinaus, durch den Wald, wir wollen ſehen, ob wir die Loire er⸗ reichen können.“ Er zog die beſtürzte Tochter haſtig mit ſich fort, doch als ſie in den Hof kamen, traten ihnen ſchon engliſche Lanzenknechte entgegen.„Da iſt der Spion! Greift ihn! Ihn und ſeine Tochter!“ rief der Anführer, und auf der Stelle wurden ſie Beide gepackt und in das Gemach geſchleppt. Ratinel wollte ſich entſchuldigen, wollte läugnen; doch vergeblich, Jacques hatte zu viel verrathen, die Beweiſe lagen offenkundig da. Louiſon vermochte nichts als zu weinen und ſich an ihren Vater anzuklammern. Doch als jetzt der Offizier das Schreckenswort ausſprach:„Schnei⸗ det dem Hunde die Ohren ab, reißt ihm die Zunge aus, blendet ihn und hängt ihn dann an Händen und Füßen auf, bis er im Dampf ſeines brennenden Hauſes erſtickt,“ da that ſie einen lauten Schrei der Angſt, ſtürzte ſich dem Offizier zu Füßen und rief:„Er iſt unſchuldig! Ich war es, die den Feind benachrichtigte! Bringt mich um!“
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