Teil eines Werkes 
17. Band = Neue Folge, 5. Band, Erzählungen : 3. Theil (1847)
Entstehung
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das Getreide blieb ihm, um einen Nothpfennig davon zu ſammeln, den er dereinſt zur Ausſtattung ſeines Töchter⸗ chens, der ſanften, freundlichen Louiſon, zu verwenden ge⸗ dachte. Froh über den kleinen Schatz, dachte er ſchon darauf, wie er ihn über's Jahr noch mehren wolle, dadurch, daß er ſeine Meierei verbeſſerte und noch höhere Einkünfte daraus zog.

Man darf wegen ſolcher Gedanken nicht glauben, daß Claude Ratinel ein Geizhals war, ſondern im Gegentheil er hatte das beſte Herz und war mitleidig und wohlthätig wie irgend Einer. Kein Unglücklicher verließ ſeine Thür, ohne irgend eine Unterſtützung erhalten zu haben; nur, wie ſich in alle menſchlichen Handlungen, auch in die löblichſten, ein leiſer Gedanke der Selbſtliebe einſchleicht, ſo dachte auch Claude wol dabei:Die Wohlthat bringt Dir Segen! und gab dann doppelt. So erwartete er ſtets einen kleinen Nutzen von ſeiner Güte und wußte ſich Alles, was ihm Erfreu⸗ liches aufſtieß, durch irgend eine gute Handlung zu erklä⸗ ren, die er kurz zuvor begangen hatte. Daher kam es denn aber auch, daß er nicht ſelten Einem, der es nicht verdiente, ſelbſt wiederholt gab, denn er kam immer auf ſeine Lieblingsphraſe zurück:Eine gute Handlung bleibt nicht unbelohnt, die Wohlthat wird Dir Segen bringen.

Indem er ſo ſein Pferd austraben ließ, hörte er plötz⸗ lich am Wege eine klägliche Stimme. Er ſah einen Kna⸗ ben am Fuße eines Baumes ſitzen, welcher die Hände rang und weinend rief:O mein Gott, mein Gott! Es wird ſich Niemand meiner erbarmen!Was haſt Du? fragte Ratinel und hielt ſein Pferd an.Ach lieber Herr, erwiderte der Knabe,ich bin ohne Eltern und ohne Obdach und weiß nicht, wo ich dieſen Abend etwas zu eſſen hernehmen, noch wo ich ſchlafen ſall.Wie,