— 297—
ihr Hülfe zu leiſten. Als ſie dieſen Schrei that, war es ihm, als zerreiße ein Gott plötzlich die Schleier, die ſein Auge umhüllten, ſein Blick flog von ihm zu ihr und er erkannte mit gleicher Blitzesſchnelle Ralph und ſeine verlo⸗ rene unglückliche Schweſter Margarethe. Einen Augenblick lähmte die Plötzlichkeit dieſer Enthüllung jede Kraft des Denkens und Empfindens in ſeiner Seele. Dann aber ſiegte in ſeinem milden Herzen der warme Strahl der Liebe und, in Wehmuth ſchmelzend, ſank er neben der in Helga's Armen niedergleitenden Margarethe auf die Knie. Hätte ſein Bruderherz ſie nicht an Stimme und Zügen, wie er⸗ loſchen ſie auch im langen Kummer waren, erkannt, jetzt hatte er tauſend Zeichen! Sie trug ein Kreuz an einer Perlenſchnur, das er ihr ſelbſt geſchenkt; er fand ein klei⸗ nes Maal auf ihrer Stirn wieder, eine leichte Narbe an ihrer linken Hand. Da lebte in ſeiner Seele eine Kraft des Glaubens auf, die ihn emporrichtete. In dieſem Au⸗ genblick, ſo fühlte er tief und lebendig, führt der Himmel die Schweſter nicht in Deine Arme zurück, damit er das wunder⸗ bare Gewebe ſeiner Fügungen gewaltſam gerade da zerreiße, wo es das herrlichſte Zeugniß ſeines Waltens werden ſoll. Die wiedergefundene Schweſter verbürgt Dir und der troſt⸗ loſen Mutter die Rettung der edlen Söhne.
Mit Helga um die Ohnmächtige beſchäftigt, achtete er gar nicht auf Ralph. Sein Herz war durch Prüfungen zu geläutert, um für das niedrige, nur auf der Erde gif⸗ tig wuchernde Gefühl des Haſſes oder der Rache einen Bo⸗ den darzubieten.
Da weckte ihn der hundertſtimmige Ruf der verſammel⸗ ten Strandbewohner, der halb wie Schrecken, halb wie Ju⸗ bel und Erſtaunen klang. Er blickte auf und ſiehe, eben ſtieg Rollo's pfeilgeſchwindes Boot auf dem Gipfel einer
.. 13**


