— 296—
7
fühlte er, werde ihn zurückhalten, darum entfloh er in flie⸗ gender Eile.
Die Unglückliche war, wie es in ihrem gereizten Zu⸗ ſtande nicht ſelten iſt, nur durch die Ahnungen ihres Mut⸗ terherzens, nicht durch ihr Wiſſen herbeigetrieben. Nollo hätte ſich ihren umklammernden Armen nicht zu entreißen vermocht, wäre er nicht entflohen geweſen, als ſie den Strand erreichte. Sie lief mit fliegendem Haar und irren Blicken auf Helga zu und rief:„Tochter, wo iſt mein Rollo?“
Helga war noch zu betäubt, um antworten zu können. Da hörte die angſtvolle Mutter den Ruf des Fremden, der durch ein unerklärliches Gefühl der Ehrfurcht vor Rollo's erhabenem Wollen zurückgehalten, ihm ſelbſt den Auftrag und Lohn anzubieten, den er jenen Schiffern verſprochen, jetzt mit lauter Stimme Andere zur Hülfsleiſtung auffoderte.
„Tauſend Dukaten für Jeden,“ rief er aus,„der auf dem Boot mit in See geht und mir meine Papiere vom Schiff bringt. Fodert nur das rothe Käſtchen aus London! Wie?“ rief er, da Alle verſtummten,„hat nicht Einer unter Euch den Muth jenen Knaben zu begleiten?“
Rollo's Mutter hatte mit ſtarren Blicken an dem Spre⸗ chenden, der ihr halb mit dem Rücken zugewendet war, ge⸗ hangen, weil ſie durch ihn zu hören glaubte, was ſie von Rollo wiſſen wollte.„Iſt mein Rollo auf der tobenden See?“ rief ſie jetzt und ſchritt bebend vor Spannung auf den Fremden zu. Er wandte ſich um, da fuhr ſie zurück, als ſähe ſie ein Geſpenſt; erſtarrt, mit aufgehobenen Hän⸗ den ſtand ſie da, einer Bildſäule gleich; plötzlich rief ſie aus:„Ralph!“ und ſank leblos zuſammen.
John, der die Arme zum erſten Mal ſah, ſeit ſie den Strand betreten hatte, war mit Helga zu ihr geeilt, um


