— 29—
Gebete; das Auge glänzte unter der hervordringenden Thräne ſo rein, als ſei es der Spiegel des blauen Aethers, zu dem es gewendet war. Ludovico fühlte ſich wunderbar bewegt von der Schönheit des Mädchens. Kein irdiſch ſinnliches Verlangen drang in ſeine Bruſt; es war ihm, als ſtehe ein unſchuldiger Engel vor ihm, deſſen Nähe zugleich beſelige und heilige.
„Ihr ſeid ſo ernſt, leidet Ihr Schmerzen?“ fragte ſie mit innerſter Theilnahme und ein Zug der Bangigkeit um⸗ ſchwebte ihre Lippen.„Nein, nein,“ erwiderte er,„ich bin ja kaum geritzt. Ich geſtatte Dir Deine Sorglichkeit nur, weil ſie mir ſo wohlthut.“— Ein Sonnenblick der Freude glänzte auf Biondinens Antlitz; das lieblichſte Roth über⸗ hauchte ihre Wangen, die vom Schrecken und der Beſorg⸗ niß noch bleich waren.
„So mußt Du das nicht machen, mein Kind,“ tönte unvermuthet eine rauhe, heiſere Stimme, als Biondina das Tuch wieder auf das hervorquellende Blut drückte. Beide ſchreckten zuſammen. Es war die Alte aus der Kirche, die neben ihnen ſtand.„Ich will Euch verbinden helfen, Herr Ritter, und Eure Gabe von vorhin verdienen,“ fuhr ſie fort, „denn ich weiß mit Wunden umzugehen und kenne heilende Kräuter und Säfte. Wenn Ihr den Arm ſofort gebraucht, könnte er ſich leicht heftig entzünden und Ihr kämet darum, bevor Ihr es dächtet!“
„Nicht doch, Alte,“ ſprach Ludovico faſt unwillig, da er ſah, daß Biondina ſich erſchreckte,„die Wunde iſt nicht der Rede werth!“
„O, ſeid doch ja vorſichtig,“ bat Biondina angſtlich, „es könnte doch ſchlimm werden!“
„Gewiß! Hole eine Schale mit Waſſer, Kind! Das Wamms muß herunter; wir müſſen die Wunde auswaſchen.“


