— 30—
So ſprach die Alte faſt befehlend und machte auch ſo— gleich Anſtalt zur Ausführung. Biondina eilte in das Häuschen, um Waſſer zu holen; die Alte zog dem etwas verdrießlichen Ludovico den Aermel herunter und ſtreifte das Hemde auf. Plötlich fuhr ſie zurück, als erſchrecke ſie.
„Nun, was iſt?“ fragte Ludovico verwundert.„Was haſt Du?“.
„Nichts, nichts! Es durchbebte mich nur ſo ein Schauer,“ entgegnete ſie.
„Komm raſch mit dem Waſſer her, Kind, und halte die Schale!“ rief ſie der eben aus dem Hauſe tretenden Bion⸗ dina zu und machte ſich dann eifrig daran, die Wunde zu waſchen und zu verbinden.
„Herr,“ ſprach ſie,„da habt Ihr ja ſchon eine ältere böſe Narbe. Gewiß im Kriege erhalten?“
„Nein, Alte! Als kleiner Bube fiel ich einmal in Glas⸗ ſcherben, davon rührt das rothe Kreuz her!“
„Das muß ſchon lange her ſein,“ brummte die Alte.
„Zwanzig Jahre, ich war damals fünf alt; es geſchah in einem Garten, wo meine Mutter für Tagelohn ar⸗ beitete.“
„Wie, Signor, um Tagelohn? Eure Mutter? Ihr ein Nobile“—
„Nichts von Nobile, Alte, ein Tagelöhnersſohn, deſſen Mutter, eine Witwe, früh verſtarb und ihn ſich ſelbſt über⸗ ließ. Ein Schweſterchen von zwei Jahren, das ich hatte, nahm eine Baſe zu ſich; mich lehrte man betteln und ſingen. Ein Schiffscapitain, dem ich gefiel, nahm mich mit zur Seez ich lernte den Seedienſt, ging dann auf die Flotte, war brav und wurde Offizier. Das iſt mein ganzer Le⸗ benslauf.— Aber, biſt Du fertig?“ 4
„Gleich, Herr!“ erwiderte ſie.„Allein, ſagt mir doch,


