Teil eines Werkes 
17. Band = Neue Folge, 5. Band, Erzählungen : 3. Theil (1847)
Entstehung
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ſchaft erſchöpft hatten. Er beeilte ſich daher, das Häus⸗ chen des Gondoliers zu erreichen, weil er wußte, daß die⸗ ſer mit der erſten Dämmerung überzuſetzen pflegte, um die drüben am Ufer harrenden Landleute in den Nachen zu nehmen. Unweit von dem Häuschen kam er an einer klei⸗ nen Capelle vorbei, wo ein einziges Lämpchen flammte. Die heitere Stille des Morgens, der blaßrothe Schimmer des Lämpchens vor dem Muttergottesbilde, die milden Züge der Madonna, Alles drang plötzlich mit ſeltſam bewegender Kraft in ſein Herz. Es war ihm zu Muthe, als bedürfe er des Schutzes der Himmliſchen bei dem Abenteuer, dem er entgegenging; mit unwiderſtehlichen Banden zog es ihn in die Capelle. Er ließ ſich auf die Knie nieder und betete inbrünſtig. Als er das Auge wieder erhob, ſah er mit Erſtaunen, ja halb erſchreckend, im Halbdunkel einer Niſche eine Alte knien, deren ernſte, ſcharf gefurchte Züge, graue Locken und fremdartige Tracht einen ſeltſamen Eindruck auf ihn machten. Sie glich ſonſt einer alten Zauberdrude oder Zigeunermutter, wie Märchen und Erzählungen dieſe ſchildern. Ein blutrothes Tuch umwand ihr Haupt, einem Turban ähnlich; ein Paar dunkle Augen blickten alters⸗ matt, aber doch noch feurig genug zur heiligen Jungfrau auf; die gebogene Naſe, das ſcharfe Kinn deuteten auf orientaliſche Abkunft. Ludovico betrachtete ſie ſchweigend und ſtaunend; ſie ſchien ihn nicht zu bemerken, ſondern mur⸗ melte ihre Gebete vor ſich hin.

Was thuſt Du ſo früh hier, Alte? redete er ſie aufſtehend an. Gott grüß' Euch, edler junger Ritter! erwiderte ſie; ſeht eine arme Alte vor Euch, die, von böſen Men⸗ rfolgt, zwanzig Jahre im Elende der Sklaverei der zugebracht hat und erſt vor wenigen Minuten nach