——
— 1—
der gegen ihn zeigte, als gegen viele Andere; das machte, ihn fürchtete ſie, denn er kannte ſie— halb. Ein Zufall hatte ihn nämlich zu der Entdeckung geführt, daß Roſaura nicht reich war, ſo daß es ihr, ſo glänzend der Schein war, der ſie umgab, bisweilen an dem Nöthigſten fehlte. Zwar koſtbare Gewänder, indiſche und türkiſche Tücher, Schmuck beſaß ſie im Ueberfluß, weil ſie dergleichen Dinge als Geſchenk erhielt; doch gemünztes Gold fehlte ihr oft. In einer dringenden Verlegenheit dieſer Art hatte ſie die Alte in ihrer Begleitung zu einem jüdiſchen Wechsler ge⸗ ſchickt und ſich von dieſem auf ein Stirngeſchmeide eine Summe in ZJechinen geliehen. Nach Verlauf der Zeit löſte ſie es nicht ein und der Jude bot es Foscari zum Kauf an, der es einmal in einem rothen Sammetkäſtchen bei Roſaura geſehen hatte. Er zahlte die Dukaten und brachte es heim⸗ lich mit zu Roſauren, wo das Käſtchen noch immer, als enthalte es den Schmuck, auf dem Putzttiſche ſtand. Un⸗ bemerkt öffnete er es, fand es leer, that den Schmuck hin⸗ ein, der genau in die ausgezackten Räume paßte, und war nun ſeiner Sache völlig gewiß. Roſaura bemerkte, was geſchehen war, und eine dunkle Glut der Scham färbte ihr Angeſicht. Foscari war groß⸗ müthig genug, nicht eine Sylbe zu ſprechen, allein von dieſem Augenblicke an ſuchte er ſeinem Ziele durch Freigebigkeit näher zu kommen. Roſaura aber fühlte ſich durch ihn be⸗ ängſtigt und konnte nicht den freien, ſtolzen Uebermuth gegen ihn üben, den ſie gegen Andere geltend machte, ja ſie gewann nicht einmal in ſeiner Gegenwart den Muth dazu. So erſchrak ſie auch jetzt, da er ſo unvermuthet hinzutrat, als
ſie eben eine jener Handlungen des Uebermuths und der
Verſchwendung begangen hatte, die ihr Laune und Leicht⸗ ſinn ſo oft eingaben. Er hatte jedoch nichts bemerkt oder


