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„Er hat auch nicht nach dem Balcon heraufgeſehen,“ fuhr Lucie fort;„es iſt unhöflich von ihm, denn Ihr warfet ihm doch neulich einen ſo ſchönen Lorberkranz in die Gondel hinab, als er vorüberfuhr!“
Roſaura bewegte das Haupt noch ungeduldiger.„Schwaz⸗ zerei! Spute Dich, ſtatt zu plaudern!“— Dem Tone dieſer Worte gab Lucie eine ganz andere Erklärung, als darin zu liegen ſchien, beobachtete aber ihre Gebieterin genauer. Da ſah ſie einen Silbertropfen auf ihren ſchönen, nachläſſig im Schooſe liegenden weißen Arm fallen und gleich dar⸗ auf einen zweiten, die Roſaura beide haſtig mit dem Tuche verwiſchte.
„Gewiß iſt Euch eine der unausſtehlichen Seemücken ins Auge geflogen,“ ſprach Lucie, indem ſie die letzte Nadel im Haare befeſtigte, mit dem angenommenen Tone der Un⸗ befangenheit;„ſie verleiden mir den Aufenthalt in Ve⸗ nedig ganz und gar!“
„Du biſt unerträglich, Mädchen!“ rief Roſaura und ſprang auf.„Du weißt recht gut, wie Du mich quälſt, aber Du haſt Deine Freude daran.“— Dabei brach ſie in Thränen aus, verhüllte ſich das Antlitz und ſank wie erſchöpft in einen Lehnſeſſel.
„Signora!“ bat Lucie und näherte ſich ſchüchtern; „wie konnte ich glauben, daß ich Euch ſo tief verletzen würde? Daß Ihr den ſchönen, tapfern Jüngling gern geſehen, ließ ſich zwar errathen; Eure Thränen erkläre ich mir auch, aber nur aus Verdruß über ſeine unritterliche Gleichgultigkeit.“— Roſaura ſchwieg und ſeufzte.
Lucie hatte durch den Schmerz ihrer Gebieterin ihre heitere Stimmung noch nicht verloren.—„Ich begreife nicht, was Ihr fürchtet, Signora,“ ſprach ſie;„wenn
der junge Mann Euch auch ein oder zwei Mal unbemerkt


