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gelaſſen hat, ſo iſt vielleicht daran nur der Zufall ſchuld. Ihr habt ihn einige Male im Gedränge auf dem Molo geſehen, ihn angelächelt und er hat Euch nicht begrüßt! Je nun, es iſt auch möglich, daß er zerſtreut war und Euch zwar zu ſehen ſchien, aber doch nicht ſah; denn wie oft heften wir unſer Auge ſtarr auf einen Punkt und ſe⸗ hen doch nicht, was daſelbſt vorgeht.“
„Weil unſere Seele und unſer Herz nicht bei dem Blicke ſind!“ ſeufzte Roſaura.
„Nun freilich, weil ſie eben zufällig wo anders weilten, alſo auch durch das Auge nichts in ſie eingehen konnte? Wenn aber—“ 1
„Und vergiſſeſt Du den Kranz?“
„Ihr warfet ihn vom Balcon in ſeine Gondel, tratet aber viel zu raſch hinter die Blumenſtöcke zurück.— Ich ſah doch, daß er ſich oft nach dem Balcon umſchaute. Wie nun, wenn er Eure That für einen Zufall gehalten hätte und aus Beſcheidenheit nicht hinauf blickte, Euch nicht zu beſchämen?— Und wenn auch nicht! Wenn er auch ganz kalt und gleichgültig wäre, doch ſollte er mir nicht entge⸗ hen, wenn ich Eure Reize beſäße. Welcher Mann wider⸗ ſtände dem Reize der Jugend, der Schönheit und vollends ſeiner Eitelkeit? Ich würde mich getrauen, den Stolzen zu umgarnen, vollends Ihr! So viel wird den Män⸗ nern nicht geboten, daß ſie ſo ſchwierig in der Auswahl ſein ſollten!“
„O ja, wir vermögen Jeden zu feſſeln, mit dem wir ſpielen, der uns gleichgültig iſt; nur Den nicht, der uns ſchon gefeſſelt hat.“— Bei dieſen Worten füllten neue Thränen Roſaurens ſchönes Auge.
„Wenn Ihr mir folgen wollt, Signora,“ ſprach Lucie lebhaft,„ſo will ich Euch meinen Kopf zum Pfande


