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wäre es aber auch zu ſpät geweſen; denn die ſtolzen Frauen der Nobili, welche ſie ſchon von Anfang an als eine un⸗ bekannte Abenteuerin über die Schulter angeſehen und die Sagen von ihrer fürſtlichen Geburt und Aehnliches ſpöt⸗ tiſch belächelt hatten, betrachteten ſie jetzt als eine öffentliche, aber ſchlaue und geiſtvolle Buhlerin, die ihr unwürdiges Gewerbe mit tauſend Künſten zu verſchleiern wiſſe und viel⸗ leicht nur aus Klugheit, um die Waare im Preiſe, die Luſt darnach rege zu erhalten, mehr verſagte, als ſie zu gewähren ſchien.
Roſaura ſaß hinter großen Blumenſtöcken, die auf dem nach der See hinausgehenden Balcon ihres Saales ſtanden, und Lucie flocht ihr das Haar, weil ſie bald zum Abend⸗ ſpaziergange nach dem Molo fortwollte.— Das Meer in tiefſter Ruhe glich einem kryſtallenen See; der dunkle ita⸗ lieniſche Himmel und am außerſten Rande die Abendröthe ſpiegelten ſich darin ab. Kein Hauch des Windes bewegte die Fläche; nur der plätſchernde Ruderſchlag von den vor⸗ übergleitenden Gondeln brachte hier und da einen leichten Wellenſchlag hervor, deſſen dunklere Spuren ſich in lan⸗ gen Streifen durch die ruhige Flut zogen.— Roſaura hatte einige Male ungeduldig das Haupt bewegt, ein Zei⸗ chen, welches Lucie ſchon kannte, die ſich daher beeilte, mit ihrem Geſchäfte fertig zu werden.„Der Abend iſt ſchön,“ begann ſie, um ihre Gebieterin zu zerſtreuen;„der Molo wird ſehr beſucht ſein. Wol hundert Gondeln ſah ich ſchon hier vorbeikommen. Auch der junge, ſchöne Offizier,“ fuhr ſie ſcheinbar gleichgültig fort,„der die Nachricht von dem Siege der Flotte gebracht hat, fuhr eben vorüber. Habt Ihr ihn geſehen, Signora?“
„Nein! Wer kann nach allen den jungen Thoren ſehen?“ erwiderte Roſaura faſt unwillig.


