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ihr hörte und ſah, nur ein einzelner, geringer Theil ihres Selbſt und als halte ſie noch viel holdere Zauber und wun⸗ derbarere Kräfte tief verſchleiert und in ſich verborgen. Von den Vielen, die ſie umringten, ihr ſchüchtern oder verwegen nahten, hatte keiner ihre Gunſt in dem Maße gewinnen können, daß er ſich mehr als einer leichten Höf⸗ lichkeit oder Freundlichkeit, die ſtets mit der feinſten Sitte in dem Einklange blieb, hätte rühmen dürfen. Weder die Glut zärtlicher Blicke und überredender Worte, noch die Pracht reicher Geſchenke gewannen ihr einen nähern Antheil ab. Auch war ſie hierin ſo willkürlich wie in Allem, denn oft wies ſie die reichſten Gaben wie beleidigt zurück; dann nahm ſie wieder die geringſte Kleinigkeit mit Freundlichkeit auf und wußte reicheren Bewerbern ſogar durch eine Art anmuthigen Zwanges große Geſchenke abzugewinnen, zumal wenn ſie bemerkte, daß der Geber zwar den Schein der Freigebigkeit hatte, aber es nicht wirklich war. Meiſt pflegte auch ein ſolcher Ritter, der ſich nun durch ein mit ſchlecht verhehltem Verdruß gebrachtes Opfer einen ſichern Platz in ihrer Gunſt und ihrem Beſuchzimmer erkauft zu haben meinte, von Stunde an ſchnöde behandelt, verſpottet, wol gar vor der Thür abgewieſen zu werden, als ſei Roſaura nicht zu Hauſe, bis er, auf's äußerſte gekränkt, ganz weg⸗ blieb. Daß die eigenwillige Schöne daher, trotz ihrer Reize und Liebenswürdigkeit, doch nachgerade eine Menge Feinde in Venedig hatte, daß namentlich die Frauen, die auf ihre Siege eiferſüchtig waren, ſolchen Anlaß eifrigſt benutzten, um die ſchmähendſten Gerüchte über ſie zu verbreiten, iſt begreiflich. Roſaura erfuhr es und auf ihre Weiſe ſpottete ſie bald darüber, bald fühlte ſie ſich tief beleidigt und ver⸗ goß Thränen; niemals aber kam es ihr in den Sinn, ihre Lebensweiſe auch nur im mindeſten zu ändern.— Dazu
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